Politik
Weltklimagipfel: Kaltherzig in Kattowitz
Beim Weltklimagipfel in Polen ist es nicht zum befürchteten Chaos gekommen. Es gibt nun weltweit gültige Standards beim Klimaschutz. Doch das war es auch schon mit guten Nachrichten. Eine seltsame Allianz aus USA, Russland und Saudi-Arabien hat besseren Klimaschutz verhindert.
Als die Klimaschutzverhandlungen in Kattowitz noch liefen, ließ sich der überraschend erneut angereiste UN-Generalsekretär António Guterres zu der Aussage hinreißen: Es werde bei dem Treffen der fast 200 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen wohl nicht alles Notwendige beschlossen werden. Vorrangig müsse man jetzt darauf schauen, dass das Ganze nicht im Chaos ende. Guterres’ Plan ist zumindest in diesem Punkt aufgegangen.
Regelwerk macht Zusagen der Länder vergleichbar
Das größte Plus von Kattowitz ist die Verabschiedung eines Regelwerks für den 2015 in Paris beschlossenen Welt-Klimavertrag. Dieser Vertrag beruht auf freiwilligen Zusagen der UN-Staaten, was sie zu Hause für den Klimaschutz zu tun gedenken. Mit dem Regelwerk werden diese Zusagen nun vergleichbar. Dass ein solches Regelwerk überhaupt verabschiedet werden konnte, ist beileibe keine Selbstverständlichkeit. Der „Geist von Paris“ war noch geprägt vom Gefühl, der Klimawandel könne nur durch die Zusammenarbeit aller gelöst werden. Inzwischen jedoch haben, beginnend mit dem von Präsident Donald Trump angekündigten Ausstieg der USA für 2020, die Egoismen und damit die Fliehkräfte zugenommen. Das Regelwerk ist also eine Rückversicherung, dass die Staaten überhaupt noch zur Zusammenarbeit fähig sind. Das Verabschieden der technischen Details ist aber teuer erkauft. In wichtigen anderen Feldern gab es in Kattowitz nur windelweiche Kompromisse und nichtssagende Formulierungen. Besonders auffällig ist dies dort, wo es um finanzielle Hilfen der reichen Länder im Norden für die besonders vom Klimawandel betroffenen armen Länder im Süden geht. Deutschland hat zumindest hier eine Vorreiterrolle eingenommen und seine Anteile an entsprechenden Fonds kräftig aufgestockt. Wohl als Ausgleich dafür, dass es zum Beispiel bei der Reduktion von Treibhausgasen hinter dem Versprochenen herhinkt. Scheckbuch-Diplomatie hieß das früher.
Augen verschließen nützt nichts
Am negativsten ins Gewicht fällt bei dem in Kattowitz Beschlossenen, dass der 1,5-Grad-Bericht keine Rolle spielt. Mit dem vor einem Vierteljahr vorgelegten, aufsehenerregenden Bericht hatten Wissenschaftler aus aller Welt einen Arbeitsauftrag von Paris erfüllt. Sie legten dar, warum es besser wäre, wenn die Durchschnittstemperatur bis Ende des Jahrhunderts weniger stark stiege als anvisiert (zwei Grad Celsius). Aus ihrem Bericht lässt sich ableiten, dass Treibhausgase viel schneller und stärker eingespart werden müssen, als dies bisher mit den freiwilligen Zielen angedacht wird. Doch eine seltsame Allianz aus USA, Russland und Saudi-Arabien hat dafür gesorgt, dass das 1,5-Grad-Ziel nicht die Basis wird für den weltweiten Klimaschutz. Doch warum seltsame Allianz: All dies sind Länder, die ihre fossilen Brennstoffe exportieren wollen (und mit Ausnahme der USA wenig anderes vorzuweisen haben). Weil am Ende jeder großen UN-Konferenzen einstimmig abgestimmt werden muss, stand dieser Koalition der Klimaschutzverhinderer viel Erpressungspotenzial zur Verfügung. Wie also geht es weiter? Man hat sich an den Gedanken gewöhnt: Nach der Welt-Klimakonferenz ist vor der nächsten. Dieser einlullende Gedanke ist trügerisch. Denn wenn der 1,5-Grad-Bericht der Forscher etwas herausstellt, dann dies: Die Frist, einer Heißzeit gegenzusteuern, neigt sich allmählich dem Ende zu. Weil die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre weiter ansteigt. Davor einfach die Augen zu verschließen, nützt auch Nationalisten und Rechtspopulisten in aller Welt nichts.