Medien Wegen Kriegspropaganda: Russen im Ausland sollen Landsleute anrufen

Die Hoffnung ist, dass persönliche Gespräche überzeugen.
Die Hoffnung ist, dass persönliche Gespräche überzeugen.

Im Ukraine-Krieg hat der Kreml so gut wie alle Medien lahmgelegt, die den Russen ein anderes Lagebild als das in den Staatsmedien vermitteln könnten. Doch litauische Aktivisten wollen diese Sperre umgehen.

Eine Gruppe von Aktivisten in Litauen hat eine Kampagne zur Information der russischen Bevölkerung über das Kriegsgeschehen in der Ukraine gestartet. Die Initiative mit dem Namen „Call Russia“ fordert russische Bürger im Ausland dazu auf, ihre Landsleute anzurufen und über die Ereignisse im Ukraine-Krieg aufzuklären.

Angesicht der massiven Zensur durch ein neues russisches Gesetz können Journalisten in dem Land nicht mehr frei über den Krieg berichten. In Russland sind zudem Internet-Plattformen wie Facebook oder Twitter lahmgelegt. Viele Russen informieren sich nur noch über die staatlich gelenkten Medien.

Millionen russischer Telefonnummern

Die litauischen Aktivisten hoffen nun, dass der direkte Kontakt mit Bürgern die Meinung der Russen zu dem Krieg ändern könnte. Die Initiative verfügt über eine Datenbank mit 40 Millionen zufällig ausgewählten russischen Telefonnummern. Jedes Mal, wenn ein Benutzer auf die Website der Kampagne klickt, erscheint eine neue Nummer, die er anrufen kann.

Paulius Senuta, einer der Gründer der Kampagne, sagte über seine Motivation, er habe mit drei Menschen in Moskau über den Krieg gesprochen und die Gespräche seien „sehr schwierig“ gewesen. „Diese Leute befinden sich in völlig unterschiedlichen Informationszuständen und haben radikal entgegengesetzte Ansichten.“ Manchmal schien es dem Marketingexperten, „als kämen wir von unterschiedlichen Planeten“.

Gegen Putins Lügen aufstehen

Die Website bietet auch Tipps für interessierte Anrufer aus dem Ausland. So solle man etwa nicht mit den Menschen „schimpfen“– und sich eben darauf einstellen, dass die Angerufenen eine andere Sichtweise zum Ukraine-Krieg vertreten. „Wir fordern auf, über die Tragödie des menschlichen Leidens zu sprechen“, sagt Senuta. Über Menschen, die sterben, „über Frauen, die gezwungen werden, in U-Bahn-Stationen zu gebären“. „Ein Gespräch kann Putins böse Propaganda nicht überwinden“, gibt Paulius Senuta zu Protokoll. Landsleute, „die die Macht der Wahrheit und Mitgefühl besitzen“, seien aber die einzigen, „die gegen Putins Lügen aufstehen und mithelfen können, diesen Krieg zu beenden“.

Ähnliche Aufrufe wie den in Litauen gibt es auch in Deutschland. Um die Beschränkungen in der russischen Medienwelt zu umgehen, rufen Aktivisten hierzulande dazu auf, Informationen über den Ukraine-Krieg etwa auf der Dating-App Tinder oder dem Reiseportal Tripadvisor zu posten.

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