Baden-Württemberg Wegen IT-Fehler: Über 1000 Lehrerstellen jahrelang unbesetzt

Die offenen Stellen sollen zügig neu besetzt werden – das heißt allerdings nicht, dass der Lehrermangel dann Geschichte sein wir
Die offenen Stellen sollen zügig neu besetzt werden – das heißt allerdings nicht, dass der Lehrermangel dann Geschichte sein wird.

Erst vor wenigen Tagen hat die baden-württembergische Kultusministern Theresa Schopper (Grüne) jungen Gymnasiallehrkräften geraten, sich an anderen Schulformen zu bewerben – an Gymnasien gebe es wegen der Rückkehr zu G9 schlicht zu wenige offene Stellen. Jetzt stellt sich allerdings heraus: Es gibt in Baden-Württemberg mehr freie Lehrerstellen als gedacht.

1440 Stellen – immerhin 1,5 Prozent aller Lehrerstellen in Baden-Württemberg – waren im Personalsystem der Kultusverwaltung als besetzt vermerkt. Das waren sie allerdings nie – obwohl das Geld dafür vorhanden war. 110 bis 120 Millionen Euro kosten so viele Stellen laut einem Sprecher des Kultusministeriums pro Jahr. Das Geld sei nie abgeflossen; bei einem milliardenschweren Haushalt sei das aber nicht aufgefallen.

Dahinter steckt laut dem Ministerium ein Fehler in der Software aus dem Jahr 2005. Durch diesen stieg die Anzahl der Stellen, die fälschlicherweise als besetzt galten, stetig an – das Kultusministerium vermutet, um 80 bis 100 Stellen pro Jahr. Und das hat offenbar 20 Jahre lang niemand bemerkt.

Wie das Kultusministerium erklärt, kam der Fehler erst ans Licht, als es in Einzelfällen zu Ungereimtheiten kam. Daraufhin habe man mit einem neu entwickelten Programm die Ist-Besetzung der Stellen von Grund auf neu erfasst – und habe dadurch erst bemerkt, dass über 1000 Lehrkräfte im Land fehlen.

Kultusministerin Schopper hat angekündigt, zügig einen Plan erarbeiten zu wollen, wie die offenen Stellen besetzt werden können. Verstärkung soll es vor allem an sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren, Grundschulen und Sekundarschulen außerhalb der Gymnasien geben.

Immerhin gebe es dafür jetzt zahlreiche geeignete Bewerber – früher hätte es laut einem Ministeriumssprecher gar nicht genug Lehrkräfte gegeben, um alle offenen Stellen zu besetzen.

Und allzu viel Hoffnung, dass jetzt jeglicher Lehrermangel Geschichte ist, sollten sich Eltern und Schulleiter im Ländle nun auch nicht machen. Bei 95.000 Stellen an 4500 Schulen kommt rein rechnerisch gerade mal eine neue Lehrkraft an jede dritte Schule – vorausgesetzt, es wird tatsächlich jede der Geisterstellen neu besetzt. Dazu komme, dass die größeren Städte bei Bewerbern deutlich beliebter seien als ländliche Gegenden.

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