Fragen und Antworten RHEINPFALZ Plus Artikel Was es mit dem Klima-Budget auf sich hat

 Umweltsatelliten wie der europäische Sentinel-5P umkreisen die Erde und messen beispielsweise den Anstieg des Meeresspiegels.
Umweltsatelliten wie der europäische Sentinel-5P umkreisen die Erde und messen beispielsweise den Anstieg des Meeresspiegels.

Wie viel Zeit bleibt den Menschen noch, bis sie so viele Treibhausgase in die Atmosphäre gepustet haben, dass dadurch die Folgen des Klimawandels katastrophal und unumkehrbar werden? Genauer: Wie viele Tonnen Kohlendioxid (CO2) dürfen sie noch freisetzen, damit die vielbeschworenen Pariser Klimaziele erreicht werden? Diese Fragen stecken hinter dem Begriff des Klima-Budgets.

Was ist das übergeordnete Ziel beim Klimaschutz?
Übereinstimmend sind die Klimaforscher der Ansicht: Die Erdatmosphäre sollte sich bis 2100 um nicht mehr als 1,5 Grad Celsius gegenüber dem Wert am Ende des 19. Jahrhunderts aufheizen. Sonst könnten sogenannte Kipp-Punkte erreicht werden. Was bedeutet, der Ablauf natürlicher Phänomene würde unwiderruflich gestört. Zu den gefährdeten Abläufen zählen der Golfstrom im Atlantik (er sorgt in Europa für relativ milde Winter) oder die Windströmungen, die das Entstehen von Hochs und Tiefs auf der nördlichen Halbkugel regeln (bekannt auch als Jetstream).Die weniger scharfe Variante des 2015 in Paris auf neue Füße gestellten globalen Klimaschutzes lautet: Falls das 1,5-Grad-Ziel nicht zu erreichen ist, sollte die Erhöhung nicht mehr als zwei Grad Celsius betragen.

Hat sich die Temperatur bereits erhöht?
Ja, um 1,2 Grad Celsius hat sich die Erde seit 1890 bereits erwärmt. Dieser Wert gilt im globalen Durchschnitt – regional können die Temperaturen auch höher oder tiefer liegen. Stark zugenommen hat der Wert in der Arktis.

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Warum steigen die Werte überhaupt?
Der durch den Menschen verursachte Treibhauseffekt, der hauptsächlich durch das Verbrennen fossiler Energiestoffe wie Kohle, Gas, Öl entsteht, kommt zum natürlichen Treibhauseffekt noch hinzu. Weil sich das zusätzliche CO2 in der Atmosphäre Tausende von Jahren hält (Methan dagegen nur zwölf Jahre), steigt in der Gasschicht rund um den Erdball die CO2-Konzentration seit der Industrialisierung stetig an. Die CO2-Moleküle speichern dabei die in den Sonnenstrahlen enthaltene Wärmeenergie.

Sind diese Erkenntnisse über den Temperaturanstieg neu?
Dass es einen direkten Zusammenhang gibt zwischen der Konzentration von CO2 und einem Temperaturanstieg, ist keine neue Erkenntnis. Bereits im Jahr 1896 rechnete der schwedische Nobelpreisträger Svante Arrhenius vor, dass eine Verdoppelung des CO2-Gehalts in der Atmosphäre zu einer Temperaturerhöhung zwischen vier und sechs Grad Celsius führen würde. Doch erst in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts begann man, diesen Zusammenhang als Gefahr zu begreifen. Vereinfacht gesagt hängt die Erwärmung der Erdatmosphäre, der Landmasse und der Ozeane letztlich ab von der Menge an Klimagasen, die seit Beginn der Industrialisierung ausgestoßen worden sind und die dort noch „gelagert“ werden.

Was hat es mit einem Klima-Budget auf sich?
Die Zusammenhänge zwischen Kohlendioxid und Temperatur haben Forscher vor ein paar Jahren zum Errechnen eines „Etats“ an Treibhausgasen angeregt, den die Menschen noch ausschöpfen können.Bei einer Berechnung aus dem Jahr 2018 betrug das damals verbliebene weltweite CO2-Budget zum Erreichen des 1,5-Grad-Ziels noch 580 Gigatonnen CO2. Beim Zwei-Grad-Ziel waren es 1500 Gigatonnen CO2 (eine Gigatonne sind eine Milliarde Tonnen). In den vergangenen drei Jahren hat das Budget natürlich weiter abgenommen – schließlich wurden jedes Jahr im Schnitt weitere 40 Gigatonnen CO2 durch den Menschen freigesetzt.

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Das globale Budget für das 1,5-Grad-Ziel wäre also – bei weltweit gleichbleibenden CO2-Emissionen – bereits kurz vor dem Jahr 2030 aufgebraucht. Das Budget fürs Erreichen des Zwei-Grad-Ziels etwa 2045.

Allerdings gibt es in diesen Rechnungen auch ein paar Unbekannte. Zum Beispiel: Wie stark verändern sich die Emissionen anderer wichtiger Klimagase, etwa Methan?

Was ist mit einem Klima-Budget pro Staat?
Wissenschaftler verweisen darauf, dass die Festlegung von nationalen Klima-Budgets (etwa für Deutschland) streng genommen nur eine politische, keine naturwissenschaftliche Entscheidung sein kann. Schließlich ist es dem Weltklima und der Atmosphäre egal, woher das CO2 kommt. Spätestens hier ergibt sich also eine Diskussion um Werte. Will man nationale Budgets festlegen, muss man sich beispielsweise fragen: Wie hoch ist der Anteil eines Landes am bisher vom Menschen freigesetzten CO2? Die US-Amerikaner liegen hier als Nation einsam an der Spitze. Sie sind verantwortlich für ein Viertel des jemals durch den Menschen verursachten CO2.

Momentan entfällt ein Drittel des jährlichen Kohlendioxid-Ausstoßes auf China – wobei auf jeden Chinesen rechnerisch weniger Treibhausgase kommen als auf einen US-Amerikaner. Würde man historische Verantwortung als Maßstab nehmen, dürfte ab sofort kein Industrieland mehr CO2 ausstoßen. Auch nicht Deutschland, das zu den zehn größten CO2-Verursachern weltweit gehört.

Lesen Sie hier mehr zu den möglichen Folgen des Klimawandels für Deutschland

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