Corona
Was ein Otto-Waalkes-Sketch mit der Impfpflicht zu tun hat
Einer der schönsten Otto-Waalkes-Sketche ist „Der menschliche Körper“ aus dem Jahr 1976. Dabei geht es um die Kommunikation der Organe des Kneipenbesuchers Soost, der sich beleidigt fühlt:
„Ohr an Großhirn: Habe soeben das Wort ,Saufkopf’ entgegennehmen müssen.“
„Großhirn an Ohr: Von wem?“
„Ohr an Großhirn: Kann nicht sehen! Mal Auge fragen.“
„Großhirn an Auge: Wer hat da eben ,Saufkopf’ gesagt?“
„Auge an Großhirn: Der Typ, der uns gegenübersteht. 1,95 Meter groß, breite Schultern und Schlägervisage.“
In der Folge entspinnt sich eine Debatte, wie der Organismus auf die Provokation reagieren soll:
„Großhirn an Faust: Ausfahren und zuschlagen!“
„Faust an Großhirn: Ich trau mich nicht!“
Hier werden Parallelen zur Diskussion um eine Corona-Impfpflicht offenbar. Angesichts einer Impfquote, die hinter den Erwartungen herhinkt, ist die Forderung nach einer gesetzlichen Regelung ebenso verständlich wie der Ärger von Kneipenbesucher Soost. Hier wie da schadet es allerdings auch nicht, einmal kurz innezuhalten und die eigene Position zu überdenken. In dem Sketch übernimmt das Kleinhirn die Rolle des Mahners:
„Kleinhirn an Großhirn: Jungs, nun lasst doch mal die Aufregung, ihr zieht doch sowieso den Kürzeren.“
„Großhirn an Kleinhirn: Vielen Dank für den Tipp.“
Den Kürzeren ziehen könnten auch die Befürworter einer Corona-Impfpflicht. Politisch, weil so Vertrauen beschädigt wird, parteipolitisch, weil sich die Koalition uneins ist. Gesellschaftlich, weil eine Impfpflicht vermutlich eher spaltet denn zusammenführt. Medizinisch, weil sich die Lage mit Omikron möglicherweise geändert hat. Juristisch, weil Gerichte sie als unverhältnismäßig verwerfen könnten. Letztlich müssen Impfskeptiker so oder so mit Argumenten überzeugt werden.
Hier endet die Parallele mit dem fast 50 Jahre alten Sketch. Denn beschwichtigen ist angesichts der Gefahr durch Corona keine Option. Herr Soost hatte aber möglicherweise keine andere Wahl:
„Großhirn an Zunge: Zwei Bier bestellen! Eins für den Herren gegenüber und eins für die Leber.“