Meinung Was der Angriff auf Iran für uns alle bedeutet
Die Welt blickt mit Sorge in den Nahen Osten. Seit den Morgenstunden greifen Israel und die USA den Iran an. Nach den Entwicklungen der vergangenen Tage keine Überraschung – und doch ein Ereignis, das die Welt den Atem anhalten lässt. Bisher ist wenig klar. Eines aber sehr wohl: Der Angriff wird das Leben vieler Menschen spürbar verändern – und das weit über die Grenzen von Iran oder Israel hinaus.
In unübersichtlichen Situationen wie dieser ist es von Vorteil, das mögliche Kalkül der handelnden Akteure zu kennen. Die USA haben schon vor vielen Jahren klargemacht: Wir werden nicht akzeptieren, dass der Iran eine eigene Atombombe entwickelt. Ganze Politikergenerationen haben mal auf mehr Diplomatie, mal auf mehr Drohgebärden gesetzt. Alles, um das nun Eingetretene zu vermeiden: eine Eskalation mit den Mullahs.
Donald Trump hat das Atomabkommen mit dem Iran in seiner ersten Amtszeit in die Tonne getreten, nennt es bis heute einen schlechten „Deal“. Mit der Operation „Rising Lion“ haben Israel und die USA vor Monaten das Nuklearprogramm des Iran angeblich zerstört. So zumindest hat Donald Trump es der Welt erklärt. In den vergangenen Tagen haben sich seine Vertreter mit Verhandlern aus dem Iran getroffen.
Ob es Trump je ernst gemeint hat mit der Diplomatie? Ob es mit den Machthabern im Iran überhaupt so etwas wie ein zielführendes Abkommen geben kann? Wahrscheinlich ist in diesem Februar: Beide Fragen müssen mit einem „Nein“ beantwortet werden.
Ebenfalls ein „Nein“ verdient die Frage, ob Donald Trump bei seiner Entscheidung für einen Angriff vornehmlich eine bessere Zukunft der Menschen im Iran im Blick hatte. Schon bei den Schlägen in Venezuela gab der US-Präsident an, einen echten „Change“ zu unterstützen. Bis heute aber hat sich dort wenig verändert – außer dem Namen des Machthabers. Der alte Herrscher sitzt nun in den USA im Gefängnis, was Trump – der Mann der Inszenierung – natürlich mit großem Tamtam der Welt verkündete.
Die USA geben an, die Welt mit der Vernichtung des iranischen Nuklearprogramms sicherer zu machen. Keine Widerrede, Herr Präsident. Das Regime in Teheran terrorisiert das Volk, Nachbarn und andere Staaten. Die mutigen Menschen im Land haben jede Unterstützung verdient in ihrem Kampf um Freiheit. Nur: Wer – wie die USA – so gravierend die Gegebenheiten in einem Land verändert, der hat auch die Verantwortung, nachhaltig daran mitzuwirken, dass Neues entstehen kann. Daran hat Donald Trump bei seinen Militäraktionen bislang wenig Interesse gezeigt.
Für Israel ist der Iran eine fortwährende Bedrohung. Das Leben der Menschen in Tel Aviv und anderswo ist stark gefährdet – durch direkte Angriffe aus dem Iran, aber auch durch die zahlreichen Terrororganisationen, die unter anderem von den Mullahs unterstützt werden.
Der jetzige Angriff hat jedoch auch eine politische Komponente: Für Premierminister Benjamin Netanjahu ist – so zynisch das klingen mag – jeder Ausnahmezustand ein hilfreicher Zustand. In Zeiten der Bedrohung ist es für ihn leicht, die Reihen zu schließen. Wer würde schon über noch so berechtigte Anklagen gegen den eigenen Staatschef sprechen, wenn ein Krieg alles überstrahlt?
Natürlich teilt auch er die völlig richtige Überzeugung, dass eine Welt ohne einen nuklear bewaffneten Iran sicherer ist. Und doch spielt auch ganz persönliches Kalkül eine Rolle.
Die Entwicklungen im Nahen Osten jedenfalls werden Menschen auf der ganzen Welt betreffen. Der Ölpreis wird steigen, Länder wie Saudi-Arabien können plötzlich noch mehr Rohstoffe absetzen. Der Iran hat überall seine Agenten und Terroristen. Sie haben in der Vergangenheit gezeigt, wie sie mit ihren Aktionen Schlimmes verursachen können. Jüdisches Leben braucht – leider wie so oft – unser aller entschiedenen Schutz.
Die Welt mag ohne einen mit Atomwaffen ausgerüsteten Iran sicherer werden. Die unmittelbaren Risiken für alle sind seit Samstag jedoch nicht kleiner geworden.