Politik
Warum die Todesfälle im Dezember sprunghaft zugenommen haben
Nach Angaben des Statistischen Landesamtes in Bad Ems sind in Rheinland-Pfalz im vergangenen Jahr mehr Menschen gestorben in einem Jahr als jemals zuvor in der Geschichte des Bundeslandes: 49.085 Personen.
Dabei ist das Jahr 2020 in Rheinland-Pfalz ganz unterschiedlich verlaufen. In den ersten Monaten herrschte ein vergleichsweise milder Winter, die Corona-Pandemie hatte keine wesentlichen Auswirkungen auf die Sterbestatistik.
Das gilt übrigens auch für die Bundesrepublik insgesamt. Die Anzahl der Sterbefälle im Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019 lag zunächst über der Anzahl der Todesfälle im vergangenen Jahr. Wurden beispielsweise im März 2018 – im vorangegangenen Winter hatte es eine heftige Grippewelle gegeben – 107.100 Sterbefälle registriert, waren es im vergangenen Jahr 87.452.
Die Folgen der Hitzewelle im August
Im August dann bundesweit ein Ausschlag nach oben. Die Statistiker vermuten, dass eine Hitzewelle zu mehr Toten geführt hat. Eine Beobachtung, die in der Vergangenheit häufiger gemacht wurde.
In Rheinland-Pfalz änderte sich das Bild in der zweiten Jahreshälfte. Ab September stiegen die Todeszahlen stetig an. Der Lockdown „light“ hatte so gut wie gar keine Auswirkungen auf diesen Trend. Im November lagen die Sterbefälle um zehn, im Dezember sogar um 29 Prozent über dem mehrjährigen Durchschnitt.
Das Statistischen Landesamt bewertet die Lage so: „Infolge der hohen Infektionszahlen und des Anstiegs der Todesfälle in Verbindung mit Covid-19 kann im vierten Quartal in Rheinland-Pfalz von einer Übersterblichkeit im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie gesprochen werden.“
Sachsen traurige Spitze
Übersterblichkeit beschreibt das Ausmaß erhöhter Sterblichkeit in einer Bevölkerung im Vergleich zu einem mehrjährigen Durchschnittswert. Laut dem Statistischen Bundesamt liegt eine Übersterblichkeit vor, wenn „zu einem bestimmten Zeitpunkt im Jahresverlauf mehr Menschen sterben, als nach den Fallzahlen vergangener Jahre zu erwarten gewesen wäre“.
Der steile Anstieg gegen Ende des vergangenen Jahres war nicht nur in Rheinland-Pfalz zu beobachten. Das war eine bundesweite Entwicklung. In Sachsen, beispielsweise, hat sich die Anzahl der Sterbefälle im November um 39 Prozent erhöht, im Dezember gar mehr als verdoppelt im Vergleich zum Durchschnittswert der Jahre 2016 bis 2019. Im Weihnachtsmonat sind auch in Brandenburg (plus 48 Prozent), Thüringen (plus 42 Prozent), Bayern (plus 33 Prozent), Hessen (plus 33 Prozent) und Sachsen-Anhalt (plus 32 Prozent) deutlich mehr Menschen gestorben. Die Zahlen stammen vom Statistischen Bundesamt.
Insgesamt sind bundesweit fünf Prozent mehr Menschen gestorben als im mehrjährigen Durchschnitt. In anderen europäischen Länder sind die Sterbefallzahlen deutlich höher: in Belgien um 17 Prozent, in England und Wales um 15 Prozent, in Schweden um elf Prozent und in Frankreich um sieben Prozent.
Das Urteil der Statistiker
In einer bewertenden Analyse schreibt das Statistische Bundesamt dazu: „Aus den bislang vergleichsweise geringen Auswirkungen der Pandemie in Deutschland lässt sich deshalb keineswegs schließen, dass das neuartige Virus SARS-CoV-2 ungefährlich sei oder weniger gefährlich als die Grippe.“ Vielmehr deute die Entwicklung in Deutschland darauf hin, dass Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionen vergleichsweise effizient eingesetzt wurden.
Die Statistiker hatten unabhängig von der Corona-Pandemie für das abgelaufene Jahr höhere Sterbezahlen erwartet. Warum? Deutschlands Bevölkerung wird immer älter. So ist beispielsweise die Gruppe der Über-80-Jährigen von 2016 bis 2019 von 4,9 Millionen auf 5,7 Millionen Senioren gewachsen. Abschließende Zahlen gibt es zwar noch nicht: Aber es wurde erwartet, dass Ende 2020 rund eine Million Über-80-Jährige mehr in Deutschland gelebt haben als noch 2016. Wird diese demografische Verschiebung berücksichtigt, wären laut Statistischem Bundesamt ohnehin ein bis zwei Prozent mehr Sterbefälle zu erwarten gewesen. Ferner: 2020 war ein Schaltjahr. Durch den zusätzlichen Tag geht die Sterbezahl um rund 3000 Fälle nach oben.
Das Durchschnittsalter der Gestorbenen war in Rheinland-Pfalz 79,4 Jahre. Die höhere Sterblichkeit geht insbesondere auf Männer und Frauen zurück, die 80 Jahre und älter waren: ein Plus von 7,5 Prozent für das Gesamtjahr. Im vierten Quartal waren es 22 Prozent mehr. Eine ähnliche Entwicklung war bundesweit zu beobachten.