Sonderposten Vorweihnachtliche Sommerzeit

Für Kenner: Lebkuchen in der prallen Sonne.
Für Kenner: Lebkuchen in der prallen Sonne.

Wie immer im August steht wieder völlig unerwartet Weihnachten vor der Tür. Und es geht Schlag auf Schlag. Wer am Wochenende am Badesee grillen möchte, kann als Beilage schon die ersten Weihnachtsleckereien reichen. Wer es wagt, kann noch ganz andere Akzente setzten.

Die Produktion von Lebkuchen läuft schon seit Juli. Das Würzgebäck liegt bereits seit Mitte August in den Supermarktregalen. Etwa ein Drittel der Jahresproduktion läuft bis Ende September vom Band. Auch im Erzgebirge duftet es schon weihnachtlich. Seit etwa einer Woche kommen die ersten Stollen aus den Backöfen. Die Annaberger Backwaren etwa produziert für Handelspartner, die ab Anfang September beliefert werden. Die Produktion wird jetzt Schritt für Schritt hochgefahren und erreicht im kommenden Monat volle Geschwindigkeit.

Maria und Josef drehen ihre Runden

Das frühe Angebot von Weihnachtsleckereien in den Supermärkten ärgert nicht wenige Kunden. Sie fragen sich wieder einmal, was Weihnachtstraditionen eigentlich im Hochsommer zu suchen haben. Aber das Angebot des Handels kommt nicht von ungefähr. Die Leckereien werden eben auch gekauft. Es gibt Liebhaber, die ihren ersten Spekulatius schon bei über 30 Grad im Schatten naschen wollen.

Sogar Maria, Josef und das Christkind drehen in diesem Hochsommer schon ihre Runden. In einer Firma für Weihnachtsmarktstände entsteht gerade bei hochsommerlichen Temperaturen in Wanzleben in Sachsen-Anhalt eine der größten Weihnachtspyramiden der Welt. Sie ist für einen Verkaufsstand auf dem Weihnachtsmarkt in Essen vorgesehen. Die 20 Meter hohe Pyramide besteht aus sechs Etagen. Auf den oberen Etagen drehen sich in der prallen Sonne riesige Holzfiguren der Weihnachtsgeschichte.

Wer früher schmückt, freut sich länger

Auch über den Kauf des Weihnachtsbaums kann der geneigte Kunde schon nachdenken. Die Erzeuger geben dieser Tage erste, allerdings widersprüchliche Preissignale. Die branchennahe Marketingagentur Kollaxo will in einer Umfrage bei Weihnachtsbaumbetrieben erfahren haben, dass die Preise in dieser Saison anziehen. Dem widerspricht der Christbaumverband Baden-Württemberg. Er erwartet zumindest im Südwesten der Republik stabile Preise.

Angesichts all der hochsommerlichen Vorfreude auf die festlichen Dezember-Tage meinen Psychologen, dass die Weihnachtsfans einiges richtig machen. Es seien nämlich diejenigen glücklicher, die früher weihnachtlich schmückten. Mit Lametta, Weihnachtskugeln, Spezereien und Tannenbaum könne man sich in die sorglose Kindheit zurückversetzen. Und je eher man mit dem Schmücken anfange, desto länger würden die „magischen Emotionen“ der Kindheit anhalten. Daraus ließe sich ein Tipp für den August ableiten: Probieren Sie doch einfach aus, ob sich die weihnachtliche Verzückung auch bei Ihnen einstellt, und schmücken Sie die Fichte im Vorgarten schon jetzt im festlichen Lichterglanz. Wer weiß: Vielleicht freuen sich auch die Nachbarn.

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