Corona RHEINPFALZ Plus Artikel Virus-Mutation schon in fast allen Bundesländern verbreitet

Rund 30.000 positive Corona-Tests wurden nach der Virusmutation B.1.1.7 durchsucht. Sie tauchte in sechs Prozent der Proben auf.
Rund 30.000 positive Corona-Tests wurden nach der Virusmutation B.1.1.7 durchsucht. Sie tauchte in sechs Prozent der Proben auf.

In Deutschland steigt die Anzahl der Corona-Fälle, die von einer Mutation des Erregers ausgelöst wurden. Für das Robert-Koch-Institut (RKI) ist vor allem die erstmals in Großbritannien nachgewiesene Mutation B.1.1.7 besorgniserregend. Demnach ist diese Variante bereits in fast allen Bundesländern verbreitet.

B.1.1.7 ist eine der drei Varianten, die als besonders gefährlich eingestuft werden. Nach Ansicht von RKI-Präsident Lothar Wieler dominieren sie das Pandemie-Geschehen noch nicht, doch deren Anteil erhöht sich. Ende Januar wurden Mutationen des Virus auch in Rheinland-Pfalz nachgewiesen. „Das Virus ist noch nicht müde, im Gegenteil, es hat gerade noch mal einen Boost (Auftrieb) bekommen“, sagte Wieler am Freitag in einer Pressekonferenz. Wieler legte dabei auch erstmals eine Untersuchung über die Verbreitung der Mutation nach den bisher vorliegenden Daten vor.

Rasche Ausbreitung von B.1.1.7

In das zehnseitige Papier flossen die Werte von Laboren an 25 Standorten in Deutschland ein, darunter rheinland-pfälzische Labore in Mainz und Ingelheim. Insgesamt wurden in der letzten Januarwoche 30.000 zufällig ausgewählte positive Corona-Tests untersucht. In 5,8 Prozent der Fälle wurde die Variante B.1.1.7 nachgewiesen. Dieses Ergebnis bestätigt eigene Genom-Analysen des RKI; dort wurde ein Anteil der Mutation von 5,7 Prozent gemessen. Die Daten könnten zwar noch keine statistisch belastbare Aussage über das Vorkommen liefern, räumte das RKI ein, zeigten aber deutlich die zunehmende Verbreitung der Mutation.

Impfstoffe wirken trotzdem

Sorgen bereiten dem RKI vor allem zwei Feststellungen. Zum einen sei der zunächst geringe Anteil von knapp sechs Prozent wenig beruhigend, da sich die Mutation rasch ausbreite, wie Wieler am Beispiel Dänemarks aufzeigte. Dort stieg der Anteil von B.1.1.7 wochenweise von 0,3 Prozent auf 7,3 Prozent bis aktuell auf 13 Prozent. Zum anderen müsse beachtet werden, dass der sogenannte R-Wert der Variante B.1.1.7 um etwa 0,5 höher liege als beim ursprünglich bekannten Covid-19-Virus. Der Wert gibt an, wie viele Menschen eine infizierte Person durchschnittlich ansteckt. Liegt die Ansteckungsrate über 1, breitet sich die Krankheit exponentiell aus, liegt sie darunter, geht die Anzahl der Neuinfektionen zurück.

Allerdings deuten erste Laboruntersuchungen darauf hin, dass die Wirksamkeit der zugelassenen mRNA-Impfstoffe (Biontech und Moderna) durch die Variante B.1.1.7 kaum beeinträchtigt wird.

Der Bericht des RKI könnte eine wichtige Rolle spielen, wenn sich nächste Woche die Ministerpräsidenten und die Kanzlerin erneut treffen, um über mögliche Lockerungen des Lockdowns zu reden.

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