Politik Viel zu öcherisch

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Der glücklose SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat im Wahlkampf so manchen Tiefschlag erlitten, und nicht immer waren andere daran schuld. Als Pfälzer muss man im Nachhinein zumindest in einem Punkt Mitleid mit Schulz empfinden. Wie wir in der „Schulz-Story“ von Autor Markus Feldenkirchen erfahren, erlebte Schulz bittere Stunden im Tonstudio einer Filmfirma. Dort musste er einen einzigen Satz sagen, der später im offiziellen SPD-Werbespot am Anfang zu hören war: „Manche behaupten ja, Gerechtigkeit sei heute kein Thema mehr.“ Schulz steht vor dem Mikrofon und spricht den Satz, doch niemand ist zufrieden. Es geht um das erste Wort. Schulz sagt „Mantsche“ statt „Manche“. Das überrascht nicht, schließlich kommt Schulz aus der Aachener Ecke, wo man Öcher Platt spricht. Das ist durchaus eine seltsame Abart der ohnehin seltsamen Dialekte des Rheinlands. Wobei „Mantsche“ auch ein Pfälzer sagen würde, wenn er morgens am Frühstückstisch gefragt wird, wie viele Stammtischbrüder heute wohl Kopfweh haben werden. Schulz jedenfalls muss den Satz mehrfach wiederholen. Doch nie gefällt seinen Beratern das Ergebnis, mal ist es zu künstlich, mal zu sachlich, mal zu verdruckst. Schulz sagt den Satz mehrere Dutzend Mal, dann platzt ihm der Kragen: „Ja, Leute, habt ihr sie noch alle? Das ist doch scheißegal!“ Schulz hat instinktiv erfasst, was einige Politikberater nie kapieren werden, dass nämlich Dialekt nicht Provinz, sondern Authentizität bedeutet. Die schönsten Sätze aus Politikermund haben schließlich eine regionale Färbung. Die hessische SPD-Politikerin Andrea Ypsilanti ist noch in Erinnerung mit einem wunderbar entrüsteten „Isch hab ned geloge.“ Schmerzlich vermisst im preußisch-nordhochdeutsch geprägten Berlin wird auch Günther Beckstein, der sehr fränkische Franke von der CSU. Von Beckstein stammt ein schöner Satz über seinen Parteifreund Erwin Huber: „Ich mecht nix Näggatifs sogn üban Erwin, und ich derf a ned.“ Über Hubers Sprachfärbung wiederum urteilte einst SZ-Chefredakteur Kurt Kister: „Er verschluckt ohnehin jede dritte Silbe, sodass sein gesprochenes Niederbayerisch an das geschriebene Arabisch erinnert, in dem die Vokale weggelassen werden und man sich halt seinen Teil denken muss.“ Im Vergleich dazu spricht Schulz also akkurat hochdeutsch.

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