Politik USA: John McCain, der Anti-Trump

John McCain leidet an einem unheilbaren Hirntumor. Er weiß, dass er bald sterben wird. „Meine Stunde hat geschlagen“, schreibt der republikanische US-Senator in einem Buch, aller Wahrscheinlichkeit nach seinem letzten.
„The Restless Wave“, gestern in den USA erschienen, ist mehr als ein Memoirenband. Es ist ein Plädoyer für eine Republik, die weltweit für ihre Ideale kämpft, statt sich von der Welt abzuschotten. Die für Werte steht, statt strikt an den eigenen Vorteil zu denken. Und da mit Donald Trump ein strikt auf den eigenen Vorteil bedachter Nationalist im Weißen Haus residiert, ist es auch eine Kritik an Trump. Den rügt der 81-Jährige etwa dafür, dass er in der Flüchtlingskrise jegliche Empathie vermissen lasse. Die Welt erwarte ein Amerika, das sich der Probleme der Menschheit annehme. Trump, schreibt McCain an anderer Stelle, scheine der moralische Charakter von Herrschern nicht zu interessieren. McCain, auch das gehört zu seinem Vermächtnis, hat im Zweifel fast immer für bewaffnete Interventionen plädiert, um Tyrannen in den Arm zu fallen. Selbst dann noch, als eine Mehrheit seiner Landsleute, ernüchtert durch den Irakkrieg, das anders sah. „Regime Change“ ist für ihn kein Konzept amerikanischer Hybris, sondern Verpflichtung für ein Land, das für ihn nach wie vor einen Segen für den Planeten darstellt. McCain war 31, als das Kampfflugzeug, in dem er saß, 1967 über Hanoi abgeschossen wurde. Er katapultierte sich aus der Maschine, brach sich beide Arme und ein Bein und wurde zum Kriegsgefangenen. Nach ein paar Monaten machten die Nordvietnamesen ihm, dem Sohn eines Flottenadmirals, das Angebot, früher als seine Kameraden entlassen zu werden. Er weigerte sich, wurde geschlagen und blieb im „Hanoi Hilton“, wie die GIs das Gefängnis voller Sarkasmus nannten. Viele seiner Landsleute verehren ihn deswegen als Helden. Und auch für Amerikaner, die politisch nichts mit ihm am Hut haben, ist er der Gegenentwurf zu Donald Trump. McCain saß fünfeinhalb Jahre im „Hanoi Hilton“, Trump ließ sich von einem Arzt einen Fersensporn attestieren, um während des Vietnamkriegs nicht zum Militär eingezogen zu werden.