Afghanistan US-Militär fliegt Luftangriff gegen IS in Kabul
Zeitgleich zum laufenden Abzug der US-Truppen aus der afghanischen Hauptstadt Kabul spitzt sich dort auch der Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu. Das US-Militär griff am Sonntag nach eigenen Angaben mit einer Drohne ein Auto des örtlichen IS-Ablegers an. Nach dem Anschlag vom Donnerstag mit Dutzenden Toten wurde damit möglicherweise ein weiterer Terrorangriff verhindert. US-Präsident Joe Biden warnte, dass die Lage in Kabul „extrem gefährlich“ bleibe.
USA und Verbündete fliegen weitere Menschen aus
Es habe nach dem Luftangriff eine „bedeutende sekundäre Explosion“ gegeben, teilte das US-Zentralkommando mit. Das lasse vermuten, dass das angegriffene Fahrzeug wohl eine große Menge Sprengstoff geladen hatte.
Am Donnerstag hatte sich am Kabuler Flughafen laut US-Angaben ein Attentäter der IS-Terrormiliz in die Luft gesprengt. Bei dem Anschlag wurden Dutzende getötet, darunter auch 13 US-Soldaten. Das US-Militär hatte zunächst mit einem Drohnenangriff in der Provinz Nangarhar reagiert und nach eigenen Angaben zwei ranghohe Vertreter des IS-Ablegers getötet.
Kurz vor dem Ende ihrer militärischen Evakuierungsmission flogen die USA und Verbündete innerhalb von 24 Stunden noch einmal rund 2900 Menschen aus. Seit Mitte August seien insgesamt gut 114.000 Menschen ausgeflogen worden.
Die Bundeswehr hatte ihren Evakuierungseinsatz am Donnerstag beendet. In der Nacht zum Sonntag wurden mit Unterstützung aus Deutschland aber noch mehr als 300 weitere Schutzbedürftige ausgeflogen. Laut Bundesregierung waren darunter etwa 140 Deutsche sowie Ortskräfte und Mitarbeiter eines Auftragsunternehmens des beendeten Nato-Einsatzes.
Maas auf viertägiger Reise
Bundesaußenminister Heiko Maas brach am Sonntag zu einer viertägigen Reise in fünf Länder auf, die eine Rolle bei weiteren Bemühungen um die Ausreise Schutzsuchender spielen. Geplant sind Besuche in der Türkei, den drei Afghanistan-Nachbarstaaten Usbekistan, Pakistan und Tadschikistan sowie im arabischen Golfemirat Katar. Dort sitzt das politische Büro der militant-islamistischen Taliban.
Man habe von den Taliban Zusicherungen erhalten, dass „alle ausländischen Staatsangehörigen und alle afghanischen Staatsbürger mit einer Reisegenehmigung aus unseren Ländern sicher und geordnet zu Abflugorten sowie aus dem Land reisen dürfen“, hieß es in einer am Sonntag veröffentlichten gemeinsamen Erklärung von mehr als 20 Ländern, darunter die USA und auch Deutschland. Die Taliban hatten Kabul nach ihrem Siegeszug durch das Land vor 14 Tagen kampflos eingenommen.