Politik Uribes Schützling

Demnächst Präsident: Iván Duque.
Demnächst Präsident: Iván Duque.

Iván Duque musste sich eigentlich zu keinem Zeitpunkt dieses langen Wahlprozesses in Kolumbien Sorgen machen. Er galt in den Umfragen immer als der klar führende Kandidat, und so fuhr er am Sonntag mit 54 Prozent der Stimmen auch den Sieg ein.

Zunächst gewann der 41 Jahre alte Ex-Senator und Newcomer in der kolumbianischen Politik mit sattem Vorsprung die erste Runde der Präsidentenwahl. Und dann hatte der Jurist noch das Glück, dass mit ihm Gustavo Petro in die Stichwahl einzog, der Kandidat vom anderen Ende der politischen Skala. In Kolumbien gilt ein eisernes Gesetz: Linke Ideen haben in der Politik noch weniger Chancen auf Erfolg als ultra-rechte. Der früh ergraute Duque war in der Politszene des südamerikanischen Landes vor vier Jahren noch ein Unbekannter, schließlich verließ er schon mit 25 Jahren seine Heimat in Richtung USA. Duque studierte dort und war von 2001 bis 2014 in Washington als Berater bei internationalen Finanzinstitutionen tätig, dabei die meiste Zeit für die Interamerikanische Entwicklungsbank. Nach Duques Rückkehr 2014 erkannte Ex-Präsident Álvaro Uribe dessen Fähigkeiten als intelligenter Kopf, akribischer Arbeiter und guter Redner – und vor allem als jemand, der seinen radikalen Ideen gegenüber aufgeschlossen ist. Uribe, der meistgehasste, aber zugleich populärste Politiker Kolumbiens, machte Duque Ende 2016 zum Chef der Nein-Kampagne für das Referendum über das Friedensabkommen mit den Farc-Rebellen. Im Wahlkampf begleitete Uribe seinen Schützling dann auf Schritt und Tritt. Wenn man Duque heute reden hört und die Augen schließt, sieht man Uribe vor sich. Selbst die Art zu reden, zu agitieren und zu polemisieren hat der künftige Staatschef von seinem Lehrmeister kopiert. Auch die Inhalte seiner Kampagne sind diejenigen, die man vom Ex-Präsidenten, einem Rechtsaußen, kennt: Kampf gegen den historischen Friedensprozess mit den Farc, weniger Staat und mehr neoliberale Elemente in der Wirtschaft, weniger Verständnis für alternative Lebensformen wie gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Kommentar

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