Politik UN: In Idlib droht Katastrophe

Placeholder-Image

«Damaskus/Berlin.» Angesichts der erwarteten Offensive auf die Rebellenhochburg Idlib in Syrien warnen die Vereinten Nationen vor der größten humanitären Katastrophe im 21. Jahrhundert.

Die Welt dürfe nicht „schlafwandlerisch“ in diese Krise gehen, sagte UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock gestern in Berlin angesichts der geschätzten drei Millionen Zivilisten in der Provinz im Nordwesten des Bürgerkriegslandes. Lowcock zufolge leben in Idlib mehr als eine Million Kinder. Auf einen der oft extremistischen Kämpfer kämen rund 100 Zivilisten. Die Region im Nordwesten Syriens ist das letzte große Gebiet des Bürgerkriegslandes, das noch von Rebellen beherrscht wird. Dominiert werden diese von dem Al-Qaida-Ableger Haiat Tahrir al-Scham, der früheren Al-Nusra-Front. Syriens Regierung hat Truppen zusammengezogen und droht mit einem Angriff zusammen mit ihren Verbündeten Russland und Iran. Russische Kriegsflugzeuge flogen gestern Morgen der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge etwa 40 Luftangriffe in 20 Gebieten Idlibs. Kremlsprecher Dmitri Peskow sprach davon, dass sich in der Provinz „das nächste Terroristennest gebildet“ habe. „Wir wissen, dass die syrischen Streitkräfte sich darauf vorbereiten, das Problem zu lösen“, sagte Peskow der Agentur Interfax zufolge. Ein Datum für den Beginn Offensive nannte er nicht. US-Präsident Donald Trump warnte die Regierung in Damaskus und ihre Verbündeten vor einem „rücksichtslosen Angriff“ auf Idlib mit „Hunderttausenden Toten“. Iran und Russland begingen einen schweren humanitären Fehler, wenn sie an dieser potenziellen menschlichen Tragödie teilnähmen, twitterte Trump am Montag. Eine Sprecherin von Trump warnte gestern den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad vor dem Einsatz von Chemiewaffen und drohte für diesen Fall mit Konsequenzen. Dann würden die USA und ihre Verbündeten schnell und „in angemessener Weise“ reagieren, erklärte die Sprecherin. Am Freitag wollen Russland und Iran als Unterstützer der Regierung und die Türkei als Schutzmacht der Opposition über die Krise in Syrien beraten. Beobachter rechnen damit, dass sich dort das Schicksal Idlibs entscheiden könnte.

x