Politik RHEINPFALZ Plus Artikel Ukraine-Russland: Gefangenenaustausch schürt Hoffnungen

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Ein Gefangenenaustausch zwischen Russland und der Ukraine wurde seit langem erwartet. Am Samstag wurde er vollzogen. Beide Seiten gaben 35 Häftlinge frei.

Die Tür des Flugzeugs war noch zu, da riefen die Leute draußen auf der Rollbahn schon die Maidan-Parole von 2014: „Ruhm den Helden!“ Dann kletterten blasse Menschen aus dem Flieger auf dem Kiewer Flughafen Borispol, in Trainingsanzügen und T-Shirts. Der Erste, der sie umarmte, war der ukrainische Präsident Wolodymir Selenski, danach stürzten sich Mütter, Frauen, Töchter auf die Männer, ein freudiger Tumult, einige der Frauen umhalsten auch Selenski. Der wirkte, als sei er selbst den Tränen nahe.

Nach wochenlangen Verhandlungen haben Russland und die Ukraine ihren lang angekündigten Gefangenenaustausch verwirklicht. Jeweils 35 Menschen kamen frei, darunter auf beiden Seiten heftig umstrittene Kandidaten. Aber Gewinner des Tages war Selenski. „Wenn der Staat für seine Bürger einsteht“, lobte der ukrainische PR-Fachmann Alexander Smirnow auf dem Wirtschaftsportal liga.net, „ist das Anlass, stolz zu sein“.

In Moskau schüttelte kein Regierungsvertreter den Freigelassenen die Hand

Auf dem russischen Flughafen Moskau-Wnukowo klatschten ein paar Journalisten kurz, als die ersten Freigelassenen schwere Plastiktaschen die Gangway des TU-204-Flugzeugs hinabtrugen. Keine Frauen mit Blumen liefen ihnen entgegen, kein Regierungsvertreter schüttelte ihnen die Hand. Ein kühlerer Empfang als in Borispol. „Kiew hat seine Helden heimgeholt“, kommentiert die ukrainische Internetzeitung Liwi Bereg bissig, „Moskau sein namenloses Kanonenfutter.“

Auf ukrainischer Seite kam der Filmregisseur Oleg Senzow frei, der in Russland als Terrorist zu 20 Jahren Haft verurteilt worden war, zudem weitere als Spione oder Terroristen einsitzende Ukrainer sowie 24 Seeleute, die die russische Marine vergangenen November im Schwarzen Meer gefangen genommen hatte. Unter den 35 Freigelassenen auf der Gegenseite war Kiril Wyschinski der Prominenteste; der Chef der russisch kontrollierten Nachrichtenagentur RIA Nowosti Ukraina stand in Kiew als mutmaßlicher Landesverräter vor Gericht. Mit ihm flogen 21 weitere ukrainische Staatsbürger sowie zwölf Russen und ein Moldawier nach Moskau. Auch sie waren in der Ukraine zum großen Teil als Spione oder Terroristen verurteilt worden, mehrere hatten im Donbass für die prorussischen Separatisten gekämpft. Darunter Wladimir Zemach, ehemaliger Kommandeur der Rebellen-Flugabwehr in der Separatistenstadt Snischne. Seine Übergabe war in der Ukraine heftig diskutiert worden, weil er als möglicher Zeuge für den Abschuss der malaysischen Boeing MH17 gilt.

Präsident Selenski strebt Austausch aller Gefangenen an

Aber mit den früheren ukrainischen Tschetschenienkämpfern Stanislaw Klych und Mykola Karpjuk und vor allem mit dem international bekannten Senzow entließ auch der Kreml vorher unter großem Propagandaaufwand zu langjährigen Strafen verurteilte Feindprominenz.

Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron begrüßte per Twitter Senzows Freilassung: „Wir waren immer auf seiner Seite.“ Macron kündigte an, Frankreich und Deutschland wollten nun die Bemühungen im Normandie-Format zur Realisierung der Minsker Friedensvereinbarungen von 2015 aktivieren. Auch Kanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Donald Trump begrüßten den Austausch. Selenski selbst erklärte, man werde jetzt auf den Austausch aller Gefangenen hinarbeiten und die Truppenentflechtung an der Donbass-Front fortsetzen, um ein Ende des Krieges zu erreichen. Russlands Präsident Wladimir Putin gab keinen öffentlichen Kommentar ab.

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