Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Trumps Verrücktheit als Methode

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Trump hat ein Bild von sich als Jesusfigur online gestellt. Eher mehr als eine irre Kampfansage an seinen Kritiker Leo XIV., den er für einen Papst von seinen Gnaden hält?

Die jüngste KI-generierte Selbstillumination von Donald Trump ist gar nicht so neu. Das Trash-Bild des US-Ego-Kings als heilbringender Jesus zirkuliert seit etwa zwei Monaten. Trump in einem weißen Gewand, roter Umhang, seine Hand auf der Stirn eines offensichtlich auf einem Lager dahinsiechenden Kranken. Der Sternenbanner flattert im Wind. Liberty winkt im Hintergrund. Feuerwerk am Himmel, Flugzeuge, eins davon sieht aus wie ein Mischwesen zwischen Bomber, Gummi-Adler und gekreuzigtem Ikarus. Der übliche Schund. Trump, der bekanntlich alle Möglichkeiten hat, seinen schlechten Geschmack zur Geltung zu bringen, aber gefällt es. Der Autor des Bildes, Nick Adams, schon mehrfach mit ähnlichen, im ergriffen knienden Modus erstellten Werken aufgefallen, ist jedenfalls inzwischen „Special Presidential Envoy for American Tourism, Exceptionalism and Values“, Tourismusminister halt.

Interessanter ist ohnehin der Zeitpunkt, zu dem der US-Präsident das Bild auf seinem Propagandakanal Truth Social noch einmal online gestellt hat: kurz nach der eskalierenden Kritik an Leo XIV., dem Amerikaner, den Trump ohnehin für einen Papst von seinen Gnaden hält. Es wirkte wie eine Bekräftigung.

Was ihn maßlos ärgert: Der Papst hatte es gewagt, den Iran-Krieg zu kritisieren und zum Frieden aufzurufen. Er sei „schrecklich“ und „schwach“, schimpfte Trump über Leo XIV., die übliche Loser-Rhetorik – nur, dass die bei dem Kirchenoberhaupt leiderleider nicht verfängt.

Schließlich hat der Papst auch die Teilnahme an den Trump-Feierlichkeiten zum 250. Gründungstag der USA abgesagt. Stattdessen besucht er demonstrativ ein Geflüchtetenlager in Lampedusa – ein Move, der indirekt seine Haltung zur Migrationspolitik der US-Regierung deutlich macht. Mit dem schrillen Jesus-Bild wollte Trump, der Regent, der seine Macht vor allem auch dem harten Kern seiner „christlich“-konservativen evangelikalen Wähler verdankt, offensichtlich noch einmal nachlegen. Es ist mehr so irr, so durchgedreht egoman, dass es Methode hat.

Denn genau betrachtet inthronisiert er sich damit als legitimer geistlicher, dem Papst letztlich vorgesetzter Führer. Ein Wahn, der genauso gut ein Witz sein könnte. Eine Verrücktheitsstrategie, die es genauso wahrscheinlich macht, dass er demnächst Marines in den – wie seit Stalin jeder weiß – militärisch blank stehenden Vatikan einmarschieren lässt, Papst Leo XIV. zu einer Partie Golf nach Florida einlädt – und dessen Papamobil als Golfcart benutzt. Oder, wie jetzt passiert, seinen Bildpost wieder löscht und behauptet, die Jesus-Interpretation sei Fake News der Lügenmedien.

Er hätte sich auf dem Bild als Abgesandter des Roten Kreuzes gesehen, sagte Trump, danach befragt, kalt lächelnd. Heilsam statt ein Heilsbringer. Trump hält sich, wenn er nicht wirklich geistig eingeschränkt ist, alle Möglichkeiten offen. Er testet seine Wirkung und die Loyalitäten. Fühlt sich wohl im Viralen. Nebenbei dehnt er die weiter porös gewordenen Grenzen des Denk- und Sagbaren aus. Flutet die Weltöffentlichkeit mit billigem, sorry, Shit. Und wir? Sollen wie benebelt dem Liveticker über einen folgen, der jederzeit als unberechenbar wie Nero gelten will.

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