Politik Trumps Schuss ins eigene Knie

Knien statt Stehen bei der US-Hymne: Auch Spieler der Washington Redskins machten das am Sonntag.
Knien statt Stehen bei der US-Hymne: Auch Spieler der Washington Redskins machten das am Sonntag.

Patriotismus wird Amerikanern von Kindheit an eingeimpft. Das fängt vielerorts beim Fahneneid vor dem Schulunterricht an und geht mit der Nationalhymne beim Duell von Schüler-Footballmannschaften weiter. Stehend mit der rechten Hand über dem Herz singen Eltern, Nachbarn und Lehrer inbrünstig mit. Auch im Profigeschäft der Nationalen Football Liga (NFL) und somit vor Millionen Fernsehzuschauern wird das Sternenbanner besungen. Brüderlich, mit Herz und Hand sozusagen. Statt zu einen, spaltet aber nun das Thema Nationalhymne die Menschen in den USA. Es geht um Rassismus, Meinungsfreiheit – und US-Präsident Donald Trump. Angefangen hat es mit einigen Footballspielern, die statt zu stehen bei der Nationalhymne knieten. Es ist ihre Art, vor allem gegen Polizeigewalt gegen Schwarze zu protestieren. Dazu muss man wissen: Es gibt unter den US-Footballprofis überproportional viele Afroamerikaner. Angesichts des jüngsten Aufmarsches von Neonazis in Virginia besteht auch reichlich Anlass zur Debatte darüber, wie der Machtwechsel im Weißen Haus Rechtsextremen Auftrieb gegeben hat. Wahlsieger und Präsident Donald Trump vermag es leider nicht, die Unterstellung, er sei selbst ein heimlicher Neonazi, überzeugend zu entkräften. Statt Worte zu finden, kraft seines Amtes die gespaltene Nation zu einen, polarisiert Trump. So auch jetzt in der NFL-Debatte um kniende Spieler: Die Vereinsbesitzer sollten solche Angestellten einfach feuern, befand der Staatschef und benutzte in einer Rede darüber das Wort „Hurensohn“. Damit hat er zu einer Welle von Protesten Anlass gegeben, die an 1968 erinnern, als bei den Olympischen Spielen US-Athleten bei der Siegerehrung die in einen schwarzen Handschuh gekleidete Faust emporreckten. 200 NFL-Spieler in 14 Spielstätten knieten beim Abspielen der US-Hymne oder blieben auf der Bank sitzen. Vor einer Woche hatten sich nur sechs NFL-Spieler an den Protesten beteiligt. Trump-Anhänger demonstrieren derweil lautstark dagegen. Was den Präsidenten bestärkt: „Große Solidarität“ sehe er – und angeblich sinkende Einschaltquoten der NFL. Man mag sich darüber freuen, dass Trump weniger über Nordkorea nachdenkt. Aber sein Gepolter über die NFL ist mehr als eine weitere Eskapade, die eigenes Versagen überspielt. Dies ist ein politischer Schuss ins Knie: Sehr viele Footballfans – auch aus seiner Republikanerpartei – und Sportikonen wie Basketballstar LeBron James prangern es zu Recht als Angriff auf die Meinungsfreiheit an. Für Werte wie sie steht das Sternenbanner schließlich.

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