Leitartikel
Trumps Fiasko im Iran
Nach der Einigung auf die Waffenruhe im Iran-Krieg stehen schwierige Gespräche über eine dauerhafte Friedensvereinbarung an. Der Iran will sein Atomprogramm nicht aufgeben und verlangt den Abzug des US-Militärs aus Nahost, Israel will den Krieg im Libanon fortsetzen. Das größte Risiko ist allerdings US-Präsident Donald Trump mit seiner manischen Sprunghaftigkeit. Nach fünf Wochen Krieg akzeptiert Trump iranische Forderungen als Verhandlungsgrundlage, doch die Welt muss damit rechnen, dass die USA jederzeit ihre Zusagen widerrufen und erneut angreifen.
Trump hat den Krieg ohne klare Vorstellung davon begonnen, was er erreichen wollte. Militärische Erfolge mündeten deshalb in eine strategische Niederlage. Trump steht nicht nur mit leeren Händen da. Die USA haben Milliarden Dollar verpulvert, und ihr Ruf in der Welt hat gelitten; der Iran ist stärker als vorher. Jetzt feiert Trump die Vereinbarung zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus – und damit die Lösung eines Problems, das er mit seinem Krieg erst geschaffen hat.
Wenn der Präsident von einem „totalen Sieg“ über die Iraner redet, glaubt das außer ihm vermutlich kaum jemand. Mehr als 1000 Menschen wurden getötet, das diktatorische Regime in Teheran hat seine innen- und außenpolitische Macht ausgebaut, das Vertrauen arabischer Partner in das Schutzversprechen der USA ist nachhaltig erschüttert. Selten hat ein amerikanischer Präsident in so kurzer Zeit so viel politisches Kapital verspielt.
Da offenbar niemand in Washington willens oder in der Lage ist, Trump aufzuhalten, ist dies möglicherweise noch nicht das Ende der Geschichte. Nach den Erfahrungen mit dem US-Präsidenten in den vergangenen Wochen wäre es keine Überraschung, wenn Trump es sich plötzlich anders überlegt und wieder Bombardements befiehlt. Zur neuen Realität im Nahen Osten gehört, dass die theokratische Mafia in Teheran rationaler und berechenbarer wirkt als der Staatschef des mächtigsten Landes der Welt.
Politiker im Nahen Osten werden nicht warten, bis Trump in knapp drei Jahren aus dem Amt scheidet. Sie werden sich auf die veränderten Verhältnisse einstellen. Für Staaten von der Türkei bis Saudi-Arabien bedeutet das eine engere regionale Zusammenarbeit ohne die USA. Akteure wie Pakistan und China werden wichtiger. Arabische Staaten werden mehr für die Rüstung ausgeben und weniger Geld für Vorhaben wie den Wiederaufbau von Syrien oder Gaza bereitstellen.
Der Iran dürfte nach dem Krieg kein Partner seiner Nachbarn werden. Dem Regime wird es nicht um die Beseitigung von Kriegsschäden zum Wohle der Bürger oder ein Miteinander in der Region gehen, sondern um eine möglichst schnelle Wiederaufrüstung. Geld, das Teheran mit Mautgebühren für den Tankerverkehr im Persischen Golf verdient, wird in die Unterstützung von Gruppen wie die libanesische Hisbollah fließen. Hardliner in der iranischen Führung könnten nach der Atombombe streben und sind überzeugt, auch im nächsten Krieg gegen Israel und die USA bestehen zu können.
Trump wird das nicht kümmern. Er wird sich anderen Themen zuwenden. Wehe der Weltregion, für die er sich als nächstes interessiert.