Kommentar
Trumps Anhänger: Die an Lügen glauben
Alle Vorwürfe gegen US-Präsident Trump haben sich bei den Impeachment-Anhörungen im Kongress erhärtet. Und doch hält seine Partei und halten seine Wähler zu ihm. Das zeigt, wie zynisch Politik in den USA geworden ist.
Mehr als eine Woche nun sagen Zeugen vor dem US-Kongress darüber aus, wie das Weiße Haus Unerhörtes getan hat. Es hat Militärhilfe zurückgehalten, um den ukrainischen Präsidenten unter Druck zu setzen. Es wollte ihn dazu bringen, gegen US-Bürger zu ermitteln. Konkret: gegen Ex-Vizepräsident Biden und dessen Sohn. Das Ziel: US-Präsident Trump will Biden, den er als möglichen Gegner bei der Präsidentschaftswahl 2020 fürchtet, nachhaltig schaden.
Das ist gelungen. Bidens Kandidatur ist nicht am Ende, aber es sieht schlecht aus. Trumps Umfragewerte im eigenen Lager sind hingegen nochmal gestiegen. Und das, obwohl alle Zeugen der Impeachment-Anhörung im Kongress jeden Vorwurf gegen den US-Präsidenten bestätigt haben.
Paralleluniversum Fox News
Wie kann das sein? Trumps Anhänger leben in einem anderen Medienuniversum. Sie sehen den Propagandasender Fox News, statt die New York Times zu lesen. Sie glauben daran, dass ihr Präsident das Recht hat, alles zu tun, Gegner wie Biden kleinzuhalten. Mehr noch: Weil es anrüchig ist, dass Bidens Sohn in der Ukraine für eine dubiose Gasfirma tätig war und unverschämt viel Geld bekam, scheint klar zu sein, wer in Wirklichkeit korrupt ist. Dass Trump für seinen Vorteil den Staatsapparat missbrauchte und seinen Privatanwalt als Neben-Außenminister agieren ließ, ist ihnen egal. Das Positive aus Sicht der Opposition: Die Impeachment-Anhörung dürfte ihre Anhänger ebenfalls noch stärker mobilisieren. Der Wahlkampf 2020 – er wird um Amerikas zerrissene Seele ausgetragen.