Politik Trump und Kim vereinbaren Atom-Abrüstung – ohne Datum

Kontaktaufnahme in Singapur: Kim Jong Un und Donald Trump.
Kontaktaufnahme in Singapur: Kim Jong Un und Donald Trump.

«Singapur.» Nach jahrzehntelanger Feindschaft haben die USA und Nordkorea einen Neuanfang gemacht und damit die unmittelbare Gefahr eines Krieges gebannt. Auf ihrem Gipfeltreffen in Singapur unterzeichneten US-Präsident Donald Trump und Machthaber Kim Jong Un gestern eine grundsätzliche Vereinbarung mit dem Ziel, den Streit um das nordkoreanische Atomprogramm beizulegen. Entscheidende Streitpunkte bleiben ungelöst. Ein Fahrplan mit Terminen sowie konkrete Abrüstungsschritte fehlen in dem Papier. Darüber sollen „baldmöglichst“ Verhandlungen beginnen. Ein Krieg auf der koreanischen Halbinsel hätte Auswirkungen weit darüber hinaus. Nordkorea verfügt nach eigenen Angaben über atomar bestückte Raketen, die bis in die USA und nach Europa fliegen könnten. Nach dem eintägigen Gipfel auf der Insel Sentosa feierte Trump seinen ersten außenpolitischen Erfolg. Allerdings musste er dafür seine Forderungen nach schnellen und überprüfbaren Abrüstungsschritten zurückstellen. „Es gab nicht genug Zeit“, so der US-Präsident. Auch Nordkoreas Machthaber zeigte sich zufrieden, obwohl die Sanktionen gegen sein wirtschaftlich gebeuteltes Land nicht aufgehoben werden. Kim versprach, ein neues Kapitel in den Beziehungen zu den USA aufschlagen zu wollen. International ist das kommunistische Land weitgehend isoliert. Zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu den USA kam es in Singapur aber nicht. Überraschend stellte Trump ein Ende der gemeinsamen Manöver der USA mit dem Verbündeten Südkorea in Aussicht. Er ließ aber offen, ab wann dies gelten solle. Nordkorea hat wiederholt die Einstellung der Manöver und den Abzug der US-Truppen gefordert. Die Gipfelergebnisse stießen weltweit auf überwiegend positive Reaktionen. Südkoreas Präsident Moon Jae In sah „mutige Entscheidungen“, sagte aber auch: „Das ist nur ein Anfang.“ China sprach von einem „wichtigen Fortschritt“. Russland schlug vor, die Gespräche im Sechser-Format wieder aufzunehmen. Dazu gehören auch China, Südkorea, Japan und Russland. Aus der Sicht von Bundesaußenminister Heiko Maas bietet die bisherige Politik Nordkoreas begründeten Anlass, der in Singapur erzielten Gipfelvereinbarung mit den USA zu misstrauen. Leitartikel Seite 2 Seite 3

x