Meinung
Trump ist gebrandmarkt
Wechselwähler sind bei Präsidentschaftswahlen in den USA oft das Zünglein an der Waage. Für Donald Trump ist das derzeit keine gute Erkenntnis. Denn während seine Anhänger dem ehemaligen US-Präsidenten bedingungslos folgen, werden sich viele Wechselwähler nach dem Urteil wegen sexuellen Missbrauchs von ihm abwenden. Dabei will Trump im kommenden Jahr als Kandidat der Republikaner in die Präsidentenwahl ziehen.
Anständige Republikaner erkennen klar, in welche Falle die Partei hineinrennt, wenn sie den selbstverliebten Drama-König aus Mar-a-Lago erneut auf den Schild heben. Die „Jetzt-Erst-Recht“-Attitüde seiner Fans mag ihm im innerparteilichen Wettbewerb um die Nominierung helfen, nicht aber bei den Präsidentschaftswahlen.
Die Fakten stehen gegen Trump
Schlecht für den Kandidaten ist das Urteil vor allem deshalb, weil es einen Verdacht bestätigt, der Trump seit Langem verfolgt: Dass er ein sexuell übergriffiger Chauvinist ist.
Konservative Wählerinnen im suburbanen Amerika, die beim ersten Anlauf auf das Weiße Haus im Jahr 2016, noch beide Augen zudrückten, schreckt das ab. Für Trump gerät diese wichtige Gruppe zunehmend außer Reichweite. Deshalb führt der reflexhafte Hinweis auf den Trotz der Trumpianer und die Führung im innerparteilichen Rennen bei der Einschätzung der Konsequenzen dieses Urteils an der Sache vorbei.
Trump kann so lange über eine „Hexenjagd“ jammern, wie er will. Die Fakten stehen hartnäckig dagegen. Der ehemalige US-Präsident ist ein wegen sexuellen Missbrauchs und Verleumdung seines Opfers verurteilter Mann. Außerhalb der Trump-Welt kann das kaum eine Wahlempfehlung sein.