Politik „Trump-frei“: Kanadier wollen keine Waren aus USA

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Die Kanadier haben offenbar die Nase gestrichen voll davon, wie US-Präsident Donald Trump ihren Premierminister Justin Trudeau behandelt. Wegen des Handelsstreits zwischen den Nachbarn beginnen viele nun „kanadisch“ einzukaufen und auf US-Produkte zu verzichten. Im Internet kursieren Boykottaufrufe.

Carole Lajeunesse sieht in den vergangenen Tagen immer mehr neue Gesichter in ihrem Bistro „Lala“ in Gatineau bei Ottawa. Einige kommen eigens, um ihr zu danken. Vor zehn Tagen hatte sie aus Protest gegen die Attacken Trumps auf Trudeau beschlossen, US-Produkte von der Speisekarte zu streichen. Berichte im kanadischen Rundfunk machten die Aktion weit über regionale Grenzen hinaus bekannt. Im Bistro „Lala“ gibt es jetzt keinen US-Wein mehr, und auf den Tischen stehen keine Flaschen mit Ketchup und Senf aus den USA. „Es war eine Beleidigung für uns und gegenüber Trudeau“, kommentiert Lajeunesse Trumps Tweets nach dem G-7-Gipfel Anfang Juni. Darin hatte der US-Präsident den kanadischen Regierungschef als „sehr unehrlich und schwach“ bezeichnet und seine Zustimmung zum G-7-Papier zurückgezogen. „Ich glaube nicht, dass er richtig im Kopf ist“, sagt die Bistro-Chefin über Trump. Mit dieser Einschätzung steht sie nicht allein. Und auch nicht mit ihrer Reaktion darauf. Einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos zufolge erklärten 70 Prozent der befragten Kanadier, dass sie den Kauf von US-Waren vermeiden wollten. In Supermärkten erkundigen sich Kunden häufiger, ob es Alternativen zu US-Produkten gebe. Im Rundfunk teilen Kanadier mit, dass sie auf Reisen in die USA verzichten und Südfrüchte aus Zentralamerika statt aus Florida oder Kalifornien kaufen werden. Und in den sozialen Medien kursieren Fotos von „Trump-freien“ Einkaufskörben.

In Kanada gibt es kaum Alternativen zu US-Produkten

Kanada

ist – nach China – der zweitgrößte Handelspartner der USA. 2017 wurden US-Waren im Wert von 282 Milliarden US-Dollar ins Nachbarland exportiert. Dennoch wird der Boykott im Supermarkt wohl keine spürbaren Folgen für die US-Wirtschaft haben. In Kanada, wo sich der Winter bis in den April zieht, kommen lokale Erzeugnisse spät auf den Markt. Daher gibt es kaum Alternativen zu US-Produkten.

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