Rüstungspolitik RHEINPFALZ Plus Artikel Trotz Abkommen: Zwischen Israel und den Emiraten knirscht es schon

Grund des Streits: Die F-35 des US-Herstellers Lockheed Martin gelten als die modernsten Kampfflugzeuge des Westens.
Grund des Streits: Die F-35 des US-Herstellers Lockheed Martin gelten als die modernsten Kampfflugzeuge des Westens.

Mit einem Treffen am Sitz der Vereinten Nationen in New York wollten die USA, Israel und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) das neue Bündnis in Nahost feiern. Doch die VAE sagten aus Ärger über Israel ab.

Eine Woche nach Abschluss der Grundsatzvereinbarung zwischen dem jüdischen Staat und den VAE über eine Normalisierung ihrer Beziehungen im August lud die amerikanische UN-Botschafterin Kelly Craft ihre Kollegen aus Israel und den VAE zum Gespräch. Das Trio wollte der Welt die neue anti-iranische Allianz präsentieren. Alles war schon vorbereitet – doch dann sagten die Emiratis plötzlich ab. Zwischen den neuen Partnern gibt es schon Krach, und zwar um das militärische Gleichgewicht zwischen den Verbündeten.

Die Einigung zwischen Israel und den VAE vom 13. August soll den Beginn einer neuen Ära im Nahen Osten markieren, in der die Auseinandersetzung mit dem Iran zum zentralen Thema wird. Nach der von US-Präsident Donald Trump eingefädelten ersten Einigung zwischen Israel und einem arabischen Staat am Persischen Golf hofft Washington auf weitere Friedensschlüsse in der Region – die Feindschaft zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn soll sich ihrem Ende entgegenneigen. Bahrain und Oman könnten ebenfalls bald ihre Beziehungen zu Israel normalisieren. Die Führungsmacht Saudi-Arabien nimmt inoffiziell am Bündnis teil, auch wenn sie erst nach der Thronbesteigung von Kronprinz Mohammed bin Salman offiziell ein Abkommen mit Israel abschließen dürfte.

USA versprechen Israel militärischen Vorteil

Aber in der neuen Allianz knirscht es, wie die verärgerte Absage der VAE in New York zeigte. Die Emirate bemühen sich seit Jahren um die Lieferung des neuen amerikanischen Kampfjets F-35, des modernsten Kampfflugzeuges des Westens. Bisher wollten die USA den Flieger nicht an die VAE verkaufen und rüsteten Israel als einziges Nahost-Land mit dem Jet aus. Seit dem Jom-Kippur-Krieg von 1973 gilt ein gesetzlich verankertes amerikanisches Versprechen, wonach Israel stets einen militärischen Vorteil gegenüber anderen Staaten in der Region genießen soll.

Aus Sicht der Emirate beseitigt der Friedensschluss mit Israel die Bedenken gegen eine Lieferung des F-35. Wie die „New York Times“ meldete, will der reiche Staat am Golf zudem amerikanische Kampfdrohnen sowie das Flugzeug Growler kaufen, das gegnerische Luftabwehrsysteme elektronisch lähmen kann. „Alle Hürden“ für die Rüstungslieferungen seien durch die Einigung mit Israel aus dem Weg geräumt worden, sagte Anwar Gargasch, Außen-Staatsminister der VAE.

Hat Netanjahu eigentlich zugestimmt?

Doch Israel sieht das anders. Premierminister Benjamin Netanjahu sagte, der Verkauf der F-35 an die VAE sei nicht Teil der Einigung mit den Emiraten. Die US-Regierung habe die israelische Position bestätigt. Laut der „New York Times“ stimmte Netanjahu während der Verhandlungen über das Grundsatzabkommen einer amerikanischen Waffenhilfe für die Emirate zu, änderte dann aber seine Haltung, weil die Nachricht über eine Lieferung der F-35 an die VAE in Israel Ärger auslöste. Netanjahu dementierte den Zeitungsbericht.

Trumps Schwiegersohn Jared Kushner versuchte vorige Woche bei einem Besuch in den Emiraten, in dem Streit zu vermitteln. Nach israelischen Medienberichten könnte eine Lösung für die USA darin liegen, den VAE die F-35 zu verkaufen, gleichzeitig aber neue moderne Waffen an Israel zu liefern, um die Überlegenheit des jüdischen Staates zu sichern. Auf diesem Wege würde die VAE zu einer der modernsten Militärmächte der arabischen Welt – ein weiterer Prestigegewinn nach dem diplomatischen Coup des Vertrages mit Israel.

Das Misstrauen ist weiterhin groß

Auch wenn sich die Partner einigen, zeigt der Streit um die F-35, wie tief das in Jahrzehnten gewachsene Misstrauen zwischen ihnen sitzt. Theoretisch hat Israel von den VAE nach dem Friedensschluss nichts mehr zu befürchten. Doch Israels Geheimdienstminister Eli Cohen betonte, sein Land wolle seine „militärische Überlegenheit in der Region“ auf jeden Fall behalten – offenbar auch gegenüber seinen neuen Freunden.

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