Vulkanausbruch RHEINPFALZ Plus Artikel Tonga: Angst vor einem „Covid-Tsunami“

Die Gas- und Aschewolke des Vulkanausbruchs reichte wohl bis in die Stratosphäre.
Die Gas- und Aschewolke des Vulkanausbruchs reichte wohl bis in die Stratosphäre.

Der Vulkanausbruch im Pazifik hat nicht nur Menschenleben gefordert und Häuser zerstört, sondern auch ein Unterseekabel gekappt. Es wird dauern, bis Tonga wieder mit dem Rest der Welt verbunden ist. Und die Aussicht auf ausländische Helfer löst in dem Inselstaat auch Sorge aus.

Vier Tage nach Ausbruch des Unterseevulkans Hunga-Tonga-Hunga-Ha’apai steht die Pazifikinsel Tonga vor neuen Problemen. Die Angst ist groß, mit den Helfern aus dem Ausland auch einen „Tsunami von Covid-Fällen“ mit ins Land zu bringen. Dies sagte Curtis Tuihalangingie, ein tongaischer Diplomat in Canberra, dem australischen Sender ABC.

Strenge Corona-Regeln

Tonga hatte sich gleich zu Beginn der Pandemie fast völlig abgeschottet und auch im Land strenge Regeln umgesetzt. Nach einem strikten dreiwöchigen Lockdown gleich zu Anfang wurde die Teilnehmerzahl bei Veranstaltungen beschränkt und eine nächtliche Ausgangssperre zwischen Mitternacht und fünf Uhr am Morgen eingeführt. Seit Beginn der Pandemie registrierte das Königreich dann auch nur einen einzigen Covid-Fall.

Auch Jonathan Pryke, Direktor des Pacific Islands Program am Lowy Institute, einem unabhängigen Thinktank in Sydney, sagte gegenüber der „New York Times“, dass „das zentrale Thema“ derzeit sein müsse: „Wie stellen wir zu 100 Prozent sicher, dass wir Covid nicht in dieses Land bringen?“ Denn der gute Wille würde vollständig zunichte gemacht werden, sollte die Virus-Erkrankung in den Inselstaat eingeschleppt werden. Die Vergangenheit gibt dem Pazifikexperten recht: Von Ausländern eingeschleppte Krankheiten wie Masern oder Ruhr haben die Region über die vergangenen Jahrhunderte immer wieder gebeutelt und unzählige Todesopfer gefordert.

Beispiellose Katastrophe

Vier Tage nach der doppelten Katastrophe, die die Kommunikation zur Außenwelt fast vollständig unterbrochen hat, konnte auch Tongas Regierung eine erste Erklärung absetzen. In dem Schreiben bestätigten die Behörden, dass bei der Katastrophe drei Menschen ums Leben gekommen seien. Auch mehrere Verletzte wurden gemeldet. In der Erklärung nannte die Regierung das Geschehen „beispiellos“. Die Wolke aus Gas, Rauch und Asche, die der Unterseevulkan bei der Eruption am Samstag ausstieß, reichte wohl bis in die Stratosphäre und erstreckte sich radial über alle Inseln Tongas. Die Druckwellen waren selbst in Rheinland-Pfalz noch nachweisbar. Laut der Regierung stiegen die Tsunamiwellen, die der Ausbruch auslöste, bis zu 15 Meter hoch.

Die Kommunikation mit dem Südsee-Archipel wird nach dem Ausbruch des Unterseevulkans voraussichtlich wochenlang beeinträchtigt bleiben. Ein wichtiges Unterseekabel, das zur Übertragung fast aller digitalen Informationen einschließlich der Internet- und Telefonkommunikation dient, sei durch das Seebeben an zwei Stellen gebrochen, teilte die neuseeländische Regierung am Mittwoch mit. „Das US-Kabelunternehmen SubCom weist darauf hin, dass es mindestens vier Wochen dauern wird, bis die Kabelverbindung von Tonga repariert ist.“

Ascheschicht überzieht das Königreich

Nach der gewaltigen Eruption am Samstag ist das Königreich im Pazifik mit 107.000 Einwohnern mit einer Ascheschicht bedeckt, die auch das Trinkwasser verschmutzt hat. Der Tsunami, der sogar an weit entfernte Küsten in Japan, Alaska und Südamerika schwappte, richtete auf den Inseln erhebliche Schäden an. Auf der tief liegenden Insel Mango mit knapp 40 Bewohnern, von der ein Notsignal empfangen wurde, wurden nach Regierungsangaben alle Häuser zerstört. Auf Fonoifua seien bloß zwei Häuser übrig geblieben.

Der unterseeische Vulkan, der vom Meeresboden 1800 Meter emporragt und 20 Kilometer breit ist, liegt nur 65 Kilometer nördlich von Tongas Hauptstadt Nuku’alofa. Vor der Eruption lag die Caldera (der Kessel) direkt unter der Meeresoberfläche, ihr Zentrum befand sich in 200 Metern Tiefe. Das sagte Emily Lane, Expertin für Hydrodynamik am neuseeländischen Institut für Wasser- und Atmosphärenforschung. Wie der submarine Vulkan nach der Eruption aussehe, sei bislang unklar.

Von Importen abhängig

Neuseeland schickte derweil zwei Marineschiffe mit Trinkwasser, Tauchteams, einem Helikopter und anderen Hilfsgütern in Richtung Tonga. Die dortige Regierung habe die Hilfslieferungen genehmigt, hieß es. Die Schiffe waren am Dienstag ausgelaufen und sollten am Freitag in der Region eintreffen. Sobald der Flughafen von der Asche befreit ist, soll zudem ein Flugzeug weitere wichtige Hilfslieferungen bringen. Auch Australien will ein Schiff entsenden. Die Caritas in Australien warnte, dass die Inseln von importierten Waren abhängig seien und deshalb mittelfristig auch Nahrungsmittel und Treibstoff knapp werden könnten.

Neuseeland wollte zudem einen weiteren Erkundungsflug über dem betroffenen Gebiet unternehmen. Dabei sollten die Piloten auf Bitte der Regierung von Fidschi auch die südlichen Lau-Inseln überfliegen, um sie auf mögliche Tsunami-Schäden zu prüfen.

poilizeittonga
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