Politik Stulle mit Schulle

In Berlin heißt der „Berliner“ Pfannkuchen, und der Pfannkuchen heißt Eierkuchen. Das muss man wissen, wenn man an Fasnacht brauchtumskompatible Nahrung einkaufen will. Es gibt aber noch andere Eigentümlichkeiten in Berlin, was Essen und Trinken angeht, Stichwort Bulette. Auf eine bekannte Besonderheit hat SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz bei seiner Rede am Politischen Aschermittwoch im bayerischen Vilshofen aufmerksam gemacht – auf die Stulle. So heißt in Berlin das (belegte) Butterbrot. Schulz erzählte zunächst, dass ihn seine Freunde manchmal Schulle nennen – ein Spitzname, den auch andere humorvolle Zeitgenossen mit Würde tragen. Schulz schwenkte in seiner Rede dann zum Willy-Brandt-Haus, wo angeblich überlegt werde, ein Format namens „Abendbrot mit Schulz“ zu organisieren. Doch Schulz will sich lieber einen Reim darauf machen: „Ich habe gesagt: Nennt das doch ,Stulle mit Schulle’, das hört sich besser an“, rief er vergnügt ins Zelt. Man kann jetzt nicht sagen, dass dieser Gag der absolute Kracher gewesen war. In der nach oben offenen Maßkrug-Skala belegte er applausmäßig eher einen Platz im unteren Mittelfeld. Doch in Berlin müssen irgendwo die Kronkorken geknallt haben. Denn Schulz, der keinen Alkohol trinkt, hat vermutlich unfreiwillig Werbung gemacht für eine Traditionsbrauerei in der Hauptstadt: die Firma Schultheiss. Schließlich ruft jeder, der im „Narkosestübchen“ am Schöneberger Rathaus oder im „Kaputten Heinrich“ in Moabit ein Pils will: „Ein Schulle, bitte!“ Für alle Zeiten verewigt ist der Kosename im „Hertha“-Song des Bundesliga-Clubs: „Ich brauch’ Hertha, ’ne Schulle, mein Berlin und die Spree.“ So genügsam ist er, der Berliner. Martin Schulz dürfte überrascht sein, dass die Schultheiss-Brauerei schon längst auf die „Abendbrot“-Idee gekommen ist. Im Brauerei-Shop gibt es nämlich das Schulle-Stullenbrettchen für das gepflegte Bier mit Butterbrot. Das Brettchen ist auch bekannt als „Berlins kleinste Picknickdecke“. Noch mehr Parallelen kann man finden, wenn man der Herkunft des Namens Schultheiß auf den Grund geht. Er bedeutet Gemeindevorsteher oder Bürgermeister. Und genau dieses Amt hatte Martin Schulz in seiner Heimat Würselen inne, was für ihn Ausweis genug ist, die Sorgen und Nöte der Bürger zu kennen. Will heißen: Schulle weiß, was läuft.