Politik Spione als Ehrenmänner

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Russland weist trotz der neuen Fakten aus London alle Vorwürfe im Fall Skripal zurück. Manche Sicherheitsexperten zweifeln aber am angeblichen Ehrenkodex der russischen Geheimdienste.

Seit die britische Regierung am Mittwoch dem russischen Militärgeheimdienst GRU vorwarf, hinter dem Giftanschlag auf den Ex-Spion Sergej Skripal zu stecken, verteidigt die Moskauer Öffentlichkeit heftig die Ehre ihrer Sicherheitsdienste. Die britischen Behörden hatten Fotos und Namen der zwei mutmaßlichen Attentäter veröffentlicht, die im März im englischen Salisbury den Anschlag auf den ehemaligen russischen Doppelagenten und seine Tochter Julia verübten. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Namen der Täter falsch sind. Deutschland, die USA, Kanada und Frankreich erklärten gestern ihr Vertrauen in die Ermittlungsergebnisse. Russische Offizielle reagierten hingegen mit Unverständnis. Kremlsprecher Dmitri Peskow bekräftigte: „Russland ist in keiner Weise beteiligt.“ Was die Briten da vorgelegt hätten, seien „keine Angaben“, sagte Juri Uschakow, der außenpolitische Berater von Präsident Wladimir Putin, „sondern weiß Gott was.“ Außenamtssprecherin Maria Sacharowa beklagte, Großbritannien verweigere den russischen Behörden die echten Namen, Passdaten und Fingerabdrücke der beiden Verdächtigen. Allerdings dürfte es für die russische Polizei kein Problem sein, die Identität der Männer zu überprüfen: Nach britischen Angaben kamen sie am 2. März mit einem Aeroflot-Flug in London an, ohne Angaben ihrer Passdaten hätten sie die Tickets der staatlichen russischen Fluggesellschaft gar nicht kaufen können. Seit März weist die russische Regierung jede Verantwortung von sich. Und zahlreiche russische Sicherheitsfachleute und Geheimdienstveteranen unterstützen ihre Regierung mit Versicherungen, eine Teilnahme der vaterländischen Dienste sei ausgeschlossen, weil die Ermordung eines ausgetauschten Agenten ihrem Ehrenkodex widerspreche. „Diese ungeschriebenen Gesetze wurden fast immer streng eingehalten“, sagte der pensionierte Oberst Jan Baranowski der Zeitung „Argumenty Nedeli“. Seit den 60er Jahren bringe man keine Verräter mehr widerrechtlich um. Irakli Batiaschwili, früherer georgischer Minister für Staatssicherheit, hat hingegen Zweifel am Ehrenkodex der russischen Kollegen. „Die Traditionen von KGB und GRU wurzeln in einem totalitären, repressiven Regime. Die Abrechnung mit Verrätern gehört dazu.“ Und es sei zu befürchten, dass viele russische Geheimdienstler diese alten Traditionen weiter hochhielten.

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