Politik RHEINPFALZ Plus Artikel Somalia wird von einer Heuschreckenplage heimgesucht

Kahl gefressen: So sieht eine Plantage aus, nachdem die Heuschrecken weitergeflogen sind.
Kahl gefressen: So sieht eine Plantage aus, nachdem die Heuschrecken weitergeflogen sind. Foto: Reuters

Der ostafrikanische Unruhestaat Somalia litt jahrelang an Dürre. Seit wenigen Monaten wird das Land von heftigen Regenfällen überschwemmt. Und jetzt wird der Staat am Horn von Afrika von Heuschrecken verwüstet.

Riesige Schwärme der hungrigen Hüpfer seien bereits über mindestens 70.000 Hektar Farmland in zwei somalischen Provinzen hergefallen, teilte die Welternährungsorganisation FAO in Rom mit. Die schlimmste Heuschrecken-Invasion seit einem Vierteljahrhundert.

Unter den zehn biblischen Plagen, die nach der biblischen Erzählung das Land Ägypten heimsuchten, werden die Heuschrecken als Nummer acht aufgeführt.

Noch sei der Einfall der Heuschrecken auf den Nordosten des Landes, das der Größe Frankreichs entspricht, begrenzt, sagen die FAO-Experten. Doch unter den derzeitigen, für die Fortpflanzung der Heuschrecken günstigen klimatischen Bedingungen sei von einer drastischen Vermehrung der Insekten auszugehen. Schon hätten die aus der arabischen Halbinsel stammenden Hüpfer auch im Osten Äthiopiens Schaden angerichtet. In den kommenden Monaten sei mit ihrer Ausbreitung auf Dschibuti, Kenia, Eritrea, den Sudan und Südsudan zu rechnen.

Sicherheitslage verhindert effektive Bekämpfung

Am besten seien die Wüsten-Heuschrecken mit von Flugzeugen aus versprühten biologischen Insektenvernichtungsmitteln zu bekämpfen, heißt es in Rom. Doch die instabile Sicherheitslage im somalischen Bürgerkriegsland verbiete eine derartige Intervention.

Ein Schwarm von Wüsten-Heuschrecken kann über 150 Millionen Insekten pro Quadratkilometer verfügen und sich über mehrere Quadratkilometer erstrecken. Die fliegenden Tiere legen bis zu 150 Kilometer am Tag zurück und pflegen Felder regelrecht kahl zu fressen. Ein durchschnittlicher Heuschreckenschwarm vernichtet Ernten, von denen sich 2500 Menschen ein Jahr lang ernähren könnten. Eine ganze Heuschreckenplage kann die Nahrungsmittelgrundlage von einer Million Menschen zerstören.

Kostspielige Interventionen nötig

Die Schwärme formten sich Mitte dieses Jahres in der Nähe des Bürgerkriegslandes Jemen und wurden von den sich über dem Indischen Ozean bildenden Zyklonen in Richtung Afrika getragen.

Die außergewöhnlich starken Regenfälle in der Region sind Experten zufolge einem ungewöhnlichen Temperaturgefälle des Indischen Ozeans zu verdanken, in dessen Westen das Wasser derzeit um mehrere Grade wärmer ist als im Osten. Deshalb erlebt Australien gegenwärtig eine außerordentliche Dürre, während der Osten Afrikas von starken Regenfällen überflutet wurde.

Ob auch dieses Phänomen mit der Klimaerwärmung zusammenhängt, wissen Experten noch nicht: Der „Dipol“ des Indischen Ozeans wurde erstmals vor 20 Jahren bemerkt.

In den kommenden Monaten seien aufwendige und kostspielige Interventionen nötig, um die Heuschreckenplage am Horn von Afrika in den Griff zu bekommen, erklärt die FAO. Für Sofortmaßnahmen seien mindestens drei Millionen Dollar nötig. „Falls wir die Ausbreitung der Heuschrecken nicht stoppen können, wird das katastrophale Auswirkungen auf die Bevölkerung in der Region haben, die bereits die Hälfte aller hungernden Menschen in Afrika beherbergt“, sagte der Ostafrika-Koordinator der FAO, David Phiri.

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