Russland
Scharf aufs Geld? Warum junge Russinnen Soldaten heiraten wollen
Wladimir Putins „Kriegsspezialoperation“ in der Ukraine wirkt sich sehr unterschiedlich auf die russische Gesellschaft aus. Während ein Teil der Bevölkerung bemüht ist, das blutige Geschehen im Nachbarland zu ignorieren, suchen Tausende junge Russinnen nach einem Bräutigam im Kampfanzug. Und Soldaten suchen Bräute. Im sozialen Netzwerk vk.com, dem russischen Pendant zu Facebook, gibt es mehrere Dutzend entsprechender Kennenlerngruppen. Die größte heißt „Bekanntschaft mit Soldaten – Wir lassen die Unsrigen nicht im Stich“ mit über 23.000 Mitgliedern.
„Ich möchte einen russischen Offizier im Alter von 35 bis 45 zur Gründung einer Familie kennenlernen. Ich lebe in Sankt Petersburg“, lautet ein Beitrag. Die meisten Frauen, die einen Soldaten als Mann haben wollen, platzieren einfach Fotos mit einem eher lakonischen Text: „Wo bist du meine zweite Hälfte?… Lass uns gegenseitig finden!“
Es hagelt Herzchen
Die nach einer Braut suchenden Männer wiederum präsentieren sich zumeist maskiert, in Kampfanzügen, mit gezückter Kalaschnikow und auf Geländefahrzeugen. Und mit noch weniger Text. „Gruß vom ,Dämonen“. Die 37. Region ist auf Funk“ beispielsweise.
Dafür hagelt es dann Likes, Herzchen und euphorische Kommentare der Teilnehmerinnen: „Gott beschütze Euch!“ „Was für ein witziger Codename.“ „Die 73. Region ist mit Euch.“ Friedensaktivistinnen begegnen einem auch in diesen Gruppen nicht.
Der Krieg hat seinen eigenen Sex-Appeal entwickelt. Laut der Redaktion der Seite „Wir lassen die Unsrigen nicht im Stich“ erhält jeder der Soldaten, der hier postet, schriftliche Rückmeldungen von nicht weniger als 150 Frauen. Und die Frauen zahlen eine „Spende“ von umgerechnet mindestens 4,50 Euro, um ihre Anzeige auf die Seite stellen zu können. Das weibliche Russland, das traditionell über einen Mangel an zuverlässigen und standfesten Männer klagt, hofft jetzt offenbar verstärkt auf Kriegertugenden.
Ein Soldat bedeutet auch Versorgung
Aber viele der Heiratskandidaten in Uniform argwöhnen, dass sie es nicht nur mit selbstlosen Patriotinnen zu tun haben. „Worauf fahren die Mädchen wirklich ab?“, fragt Alexei, Kämpfer der Nationalgarde. „Ein Soldat, das bedeutet erstens Status. Und zweitens Geld: Für eine Verwundung werden drei Millionen Rubel (umgerechnet 41.000 Euro) ausgezahlt. Wenn ein Soldat fällt, gibt es noch mehr.“ Für die Witwe.