Politik Südkoreas Militär baut „Enthauptungseinheit“ auf

Die südkoreanische Marine demonstriert im Konflikt mit Nordkorea Stärke im Japanischen Meer.
Die südkoreanische Marine demonstriert im Konflikt mit Nordkorea Stärke im Japanischen Meer.

Südkoreas Regierung gibt ihre militärische Zurückhaltung endgültig auf. Wegen der Bedrohung durch Nordkorea werden die Streitkräfte in einen umfassenden Manöverzustand versetzt.

Die englischsprachige Zeitung „The Korea Herald“ berichtete gestern, dass eine Spezialbrigade gegründet werden soll, deren einzige Aufgabe es sei, „Nordkoreas Kriegskommando- und Kontrollsystem zu neutralisieren und die Führung des Regimes, einschließlich Kim Jong-Un, zu eliminieren“. Die Sondereinheit soll ganz eng mit den US-Spezialkräften kooperieren, die 2011 Terroristenchef Osama Bin Laden töteten. „Wir sind jetzt in der Phase der Konzipierung“, bestätigte Verteidigungsminister Song Young-moo Parlamentariern den Zeitungsbericht: „Ich glaube, wir können eine solche Enthauptungseinheit bilden und bis zum 1. Dezember operationsfähig machen.“ Nach Angaben des „Korea Herald“ ist dieser Plan Teil einer Strategie, die Pjöngjanger Führung im Falle eines nordkoreanischen Nuklearangriffs mit ballistischen Raketen und Marschflugkörpern gefechtsunfähig zu machen. Zudem sollen mit konventionellen Waffensystemen nordkoreanische Raketenabschussrampen, Nuklearanlagen und unterirdische Kommandostände zerstört werden. Südkoreas Präsident Moon Jae-in wird von der Zeitung mit den Worten zitiert, „es ist jetzt entscheidend, machtvolle und praktische Maßnahmen zu ergreifen, damit Nordkorea die Folgen seines Handels realisiert.“ Dazu gehört die bereits zwischen US-Präsident Donald Trump und Staatschef Moon beschlossene Aufhebung der Nutzlast-Begrenzung für südkoreanische Raketen. Von 2001 an galt eine Obergrenze von 500 Kilogramm. Zudem wird die Reichweite der Geschosse von bisher 800 Kilometern deutlich erhöht, damit auch jedes Ziel in Nordkorea getroffen werden könne, teilte das Präsidialamt mit. Um sich gegen Attacken aus dem Norden zu schützen, leitet Seoul zudem einen bislang beispiellosen Aufrüstungskurs ein. Wie das Büro von Staatschef Moon Jae-in bestätigte, sollen sehr schnell Rüstungsgüter für „mehrere Milliarden US-Dollar“ in den USA gekauft werden. Nach Angaben des Stockholmer Sipri-Instituts haben die USA bereits in den Jahren 2011 bis 2016 Rüstungsgüter im Wert von fast fünf Milliarden Dollar an ihren Verbündeten Südkorea geliefert. Die neue Härte der südkoreanischen Führung erklärt sich am besten durch die zunehmenden militärischen Aktionen Nordkoreas. Der Geheimdienst National Intelligence Service informierte den Verteidigungsausschuss des Parlamentes, dass Pjöngjang offenbar seit Montag eine Interkontinentalrakete an seine Westküste verlegt. Der Transport erfolge nachts, um eine größtmögliche Tarnung zu sichern. In Seoul wird davon ausgegangen, dass der neuerliche Test um den nordkoreanischen Nationalfeiertag und das Gründungsjubiläum der Kommunistischen Partei am 9. und 10. September erfolgt. Drei derartige Geschosse hatte das Regime in Pjöngjang bereits in den vergangenen Wochen Richtung Japan abgefeuert, wobei eine Rakete sogar japanisches Territorium überquerte. Zur Abschreckung wurden die südkoreanischen Streitkräfte in einen umfassenden Manöverzustand versetzt, der die gesamte Woche über anhalten soll. Die Militärübungen wurden auf das Meer ausgedehnt. Kriegsschiffe, darunter Fregatten, Raketen- und Schnellboote feuerten als „Demonstration der Stärke“ auf Ziele ins Japanische Meer. Nach dem vermeldeten Test einer nordkoreanischen Wasserstoffbombe hatte Seoul gezielte Raketenmanöver befohlen. Dazu gehören simulierte Angriffe auf die Atomanlagen des Kim-Regimes.

x