Politik Südkoreas Kehrtwende

Südkoreas neuer Präsident Moon Jae In hat nach seinem Amtsantritt mehrere Dialogangebote an Nordkorea gerichtet. Diese Politik ist wohl vorerst gescheitert.
links-liberaler Staatschef Moon Jae In gerät immer mehr unter Druck, die militärisch-politische Wende einzuleiten. Direkt an seine Adresse giftete US-Präsident Donald Trump per Twitter: „Südkorea findet jetzt heraus, dass sein Appeasement-Gerede mit Nordkorea nicht funktionieren wird. Die verstehen nur eine Sache!“ Moon, dessen Dialogofferten bislang von Diktator Kim Jong Un brüsk abgelehnt wurden, hat lange gezögert, bis er der verstärkten Stationierung von US-Abfangraketen in Südkorea zustimmte. Gestern fiel nun die Entscheidung, weitere vier dieser THAAD-Batterien aufzustellen. Nach dem von Pjöngjang am Sonntag verkündeten Test einer Wasserstoffbombe reagierte Südkorea mit einem simulierten Angriff auf die Atomanlagen des Kim-Regimes. Die USA drängen Südkorea inzwischen auch mit ökonomischen Mitteln, in einen Angriffsmodus umzuschwenken. Wie amerikanische Medien berichten, erwägt Trump den Freihandelsvertrag mit Seoul KORUS aufzukündigen. Der Chef des Weißen Hauses könnte diese Entscheidung allein treffen. Trump ist möglicherweise sogar bereit, im Nordkorea-Konflikt zur eigenen und zur Verteidigung seiner Bündnispartner Atomwaffen einzusetzen. Nach Tokioter Angaben soll der Präsident dies in einem Telefonat mit dem japanischen Premierminister Shinzo Abe angekündigt haben. Um „maximalen“ Druck auf Pjöngjang auszuüben, werde Amerika die volle Bandbreite seiner Möglichkeiten bis hin zu nuklearen Option einsetzen. Das passt zu der Ankündigung von Staatschef Moon, er spreche mit den USA als Verbündeten über die schnelle Entsendung der „stärksten strategischen Potenziale des amerikanischen Militärs“. Beobachter in Fernost gehen davon aus, dass Südkoreas Führung nun auf einen neuen Kurs eingeschwenkt ist. Möglich wäre, den USA zu erlauben, wieder taktische Nuklearwaffen in Südkorea zu stationieren. Diese wurden von den Vereinigten Staaten 1991 als Geste der Entspannung abgezogen. Damit geraten die gut 40 Millionen Südkoreaner immer mehr ins Fadenkreuz des existenzbedrohenden Konfliktes. Besonders deutlich formuliert hatte dies der inzwischen geschasste Chefstratege des Weißen Hauses, Steve Bannon. Noch vor seinem Abgang verwies Bannon darauf, das bei einer militärischen Auseinandersetzung „in den ersten 30 Minuten zehn Millionen Menschen in Seoul durch konventionelle Waffen umkommen“.