Russland RHEINPFALZ Plus Artikel Russland zieht Iran, Golf-Staaten und Türkei an sich

Mit Xi Jinping (links) möchte sich Wladimir Putin in Samarkand zusammensetzen.
Mit Xi Jinping (links) möchte sich Wladimir Putin in Samarkand zusammensetzen.

Der Iran, die Golf-Staaten und das Nato-Land Türkei interessieren sich für ein Bündnis um Russland und China. Das könnte Folgen für den Westen haben.

Die Schanghai-Organisation für Zusammenarbeit (SCO) war bisher ein politisches Mauerblümchen. Die Gruppe unter Führung von Russland und China ist in ihrer 21-jährigen Geschichte nie mit Entscheidungen oder Initiativen aufgefallen. Nun wird ein SCO-Gipfel im usbekischen Samarkand zur Bühne eines neuen Bündnisses gegen den Westen.

Das Treffen am Donnerstag und Freitag ist Ziel der ersten Auslandsreise des chinesischen Staatschefs Xi Jinping seit Ausbruch der Corona-Pandemie. Mit ihm will sich Kremlchef Wladimir Putin dort austauschen. Auch mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan will Putin in Usbekistan reden. Dabei wird es um Änderungen am Istanbuler Getreide-Abkommen gehen, von dem nach Moskauer Auffassung russlandfeindliche westliche Staaten profitieren. Erdogan teilt diese Haltung.

Bislang acht Mitglieder

Bisher besteht die SCO aus Russland, China, Indien, Pakistan, Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan und Usbekistan. In Samarkand will die Gruppe formell den Beitritt des Iran beschließen und den Beitrittsprozess von Belarus einleiten. Erdogan, dessen Land als Dialog-Partner mit der SCO verbunden ist, hat Interesse an einem Beitritt der Türkei geäußert. Saudi-Arabien, Katar und Ägypten wollen in Samarkand neue Dialog-Partner werden. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) möchten laut Medienberichten sofort beitreten.

Die Regionalmächte aus dem Nahen Osten, die in Samarkand vertreten sein werden, sind untereinander zerstritten: Saudi-Arabien und der Iran führen einen Stellvertreterkrieg im Jemen. Ägypten und die VAE sind Gegenspieler der Türkei im Libyen-Konflikt. Sie eint, dass sie nach außen- und wirtschaftspolitischen Alternativen zum Westen suchen. Für Russland geht es darum, die Wirkung der internationalen Sanktionen wegen des Ukraine-Krieges zu dämpfen.

Zusammenarbeit fruchtet schon

Erste Ergebnisse sind schon da. Der Handel zwischen Russland und dem Iran wuchs nach Moskauer Angaben im ersten Halbjahr um 40 Prozent. Noch steiler geht es in den türkisch-russischen Wirtschaftsbeziehungen nach oben. Die türkischen Ausfuhren nach Russland legten im August trotz der Sanktionen im Vergleich zum Vorjahresmonat um fast 90 Prozent zu, wie aus Zahlen des türkischen Exporteursverbandes TIM hervorgeht.

Auch politisch kann sich Putin im Ukraine-Krieg auf die neuen SCO-Partner verlassen. Der Iran folgt den Kriegsnarrativen aus Moskau. Die Golf-Staaten vermeiden ebenfalls Kritik an Russland und lehnen westliche Forderungen ab, mehr Öl zu produzieren, um den Preisanstieg wegen des Ukraine-Krieges zu bremsen. Das Nato-Land Türkei verurteilt den russischen Angriff, lehnt Sanktionen aber ab und gibt Europa und den USA eine Mitschuld an der Eskalation.

In Europa und den USA verstärkt Erdogans Kurs die Zweifel an der Zuverlässigkeit der Türkei. Ein hoher EU-Beamter sagte der „Wirtschaftswoche“, die Türkei umgehe „aktiv“ die westlichen Russland-Sanktionen. Die USA warnten türkische Unternehmen vor Russland-Geschäften. Bisher lässt sich Erdogan nicht beeindrucken.

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