Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Russland und Iran: Brüchige Achse

Treffen im Juli in Teheran: Wladimir Putin (von links), Präsident von Russland, Ebrahim Raisi, Präsident des Iran, und Recep Tay
Treffen im Juli in Teheran: Wladimir Putin (von links), Präsident von Russland, Ebrahim Raisi, Präsident des Iran, und Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei.

Der Iran und Russland haben sich zusammengeschlossen, um westliche Sanktionen abzuwehren. Doch die ersten Rivalitäten zeichnen sich ab.

Die Zusammenarbeit zwischen dem Iran und Russland schreckt den Westen auf. Die Vorstellung, dass sich zwei anti-westliche Mächte zu einem neuen Block zusammentun, beschwört Horrorszenarien herauf. Das US-Außenministerium erklärt die Allianz von Teheran und Moskau gleich zur Bedrohung für die ganze Welt. Für Hysterie gibt es aber keinen Anlass. Es geht nicht um eine neue Weltordnung, sondern um das Zweckbündnis zweier Länder mit dem gemeinsamen Interesse, westliche Sanktionen abzuwehren.

Konkurrenz wird noch wachsen

Der Iran und Russland haben sich zusammengefunden, weil sie wegen der Sanktionen neue Handelspartner und -wege brauchen. Russland kann den Iran als Transitland für Exporte zum Indischen Ozean benutzen, für den Iran ist Russland ein großer Markt für seine eigenen Ausfuhren. Das tiefe Misstrauen zwischen beiden Ländern bleibt jedoch bestehen. In Syrien stützten Teheran und Moskau zwar Staatschef Assad, doch Russland erlaubt Irans Erzfeind Israel regelmäßig Luftangriffe auf iranische Stellungen. Wie der Westen will Russland die Entwicklung einer iranischen Atombombe verhindern. Der Iran baut seinen Einfluss in Zentralasien aus und profitiert davon, dass Russland ganz auf den Krieg in der Ukraine konzentriert ist. Inzwischen liefern sich Iraner und Russen einen Preiskampf bei Ölausfuhren.

Diese Konkurrenz wird noch wachsen, wenn sich der Iran mit der internationalen Gemeinschaft auf einen neuen Atomvertrag einigen sollte: Dann würden die westlichen Sanktionen gegen den Iran, etwa bei Ölexporten, abgebaut, während die Sanktionen gegen Russland wegen des Ukraine-Konfliktes in Kraft blieben. Die Achse Teheran-Moskau ist brüchig und wird es auch bleiben.

x