Politik Rosa Rasierer und Prinzessinnen-Schaum
Die Farbe macht den Unterschied. Kosten Rasierklingen in blauer Verpackung 3,89 Euro, sind für das exakt gleiche Produkt in Pink 4,49 Euro zu zahlen. Schon bei den Kleinsten zieht die Masche: Da bietet ein Spielwarenhändler das Plastik-Tretauto in Rot für 32,98 Euro an, in Pink für 36,99 Euro. Zieht die Tochter die rosafarbene Badeschaum-Flasche Prinzessin Sternenzauber der SauBär-Variante vor, müssen Eltern 50 Cent mehr zahlen. Es lebe der Geschlechterunterschied! In den USA spricht man bereits von der Pink Tax, der pinken Steuer. Nun hat sich die Antidiskriminierungsstelle des Bundes des pink-blauen Themas angenommen. In einer Studie mit dem nüchternen Titel „Preisdifferenzierung nach Geschlecht in Deutschland“ werden die Unterschiede beim Preis von Produkten und Dienstleistungen aufgelistet. Die Empörung bei der Antidiskriminierungsstelle ist groß. Obwohl sie an anderer Stelle des Berichts darauf hinweist, dass sich bei 1682 untersuchten Produkten nur bei 3,7 Prozent ein Preisunterschied zeigte. In Anbetracht dessen steht zu lesen: Von einer „grundsätzlichen Benachteiligung“ könne keine Rede sein. „Dafür ist es einfach ein zu seltenes Phänomen.“ Aha! Dafür eines mit Erregungspotenzial. Denn beim Friseurbesuch zahlt Frau – selbst beim Kurzhaarschnitt – um einiges mehr als ein Mann, der zum Haarschneiden geht. Als Grund gibt das Friseurhandwerk die längere Beratung und den größeren Service an, den Frauen verlangten. Also Frauen – demnächst waschen, schneiden, fönen ohne große Worte! Diskriminierung macht allerdings auch vor dem „starken Geschlecht“ nicht Halt: Beim Schuster legen Männer einige Euro mehr hin, und die Haarentfernung mit Wachs ist für sie teurer als für weibliche Kunden – ebenso der Eintritt in die Disco, in Sportveranstaltungen oder für Datingportale. Für Frauen gibt es da Rabatt. Was tun gegen die Ungerechtigkeiten? Die Antidiskriminierungsstelle will mit den Branchenverbänden nach „maßvollen und kundengerechten Lösungen“ suchen und regt ein Monitoring durch das Verbraucherschutzministerium an. Es gibt einen effektiveren Weg: Verbraucherinnen sollten sich überlegen, was sie einkaufen. Und wenn es nicht anders geht, den Badeschaum für die Prinzessin aus der billigeren blauen Tube in die leergewordene pinke Sternenzauber-Flasche umfüllen.