Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Renten: Es wartet noch viel Arbeit

Ab Juli steigen die monatlichen Rentenbezüge im Westen um 5,35 Prozent. Solch’ hohe Werte wird es auf absehbare Zeit wohl nicht
Ab Juli steigen die monatlichen Rentenbezüge im Westen um 5,35 Prozent. Solch’ hohe Werte wird es auf absehbare Zeit wohl nicht mehr geben.

Der starke Rentenanstieg ist für viele angesichts massiver Preissteigerungen sicher eine Hilfe. Bleibt die Politik untätig, wird es aber bald ungemütlich.

Dass sich die Ruheständler auf einen so starken Anstieg ihrer Monatsbezüge freuen können, obwohl die Koalition den von Gewerkschaften und Sozialverbänden kritisierten Nachholfaktor wieder einführen will, war nicht zu erwarten. Das liegt einerseits daran, dass der Gesetzgeber mal wieder an der ohnehin komplizierten Rentenformel herumschraubt – der Nachholfaktor soll anders berechnet werden. Der negative Effekt dieses Instruments wird somit künftig geringer ausfallen als bislang. Zum anderen wirkt sich auf die Rentenberechnung positiv aus, dass die Anzahl der Beitragszahler 2021 stärker stieg als die der Rentner.

Griff in die Rentenkasse

Die freudige Nachricht ändert aber nichts daran, dass vor der Koalition noch sehr viel Arbeit liegt, damit das Rentenniveau nach 2025 nicht unter die bis dahin garantierte Grenze von 48 Prozent sinkt und die Beiträge zur Rentenversicherung (DRV) nicht zu sehr steigen. Zwar hat die Koalition vollmundig angekündigt, dafür einen Kapitalstock aufbauen zu wollen. Wie und in welchem Umfang, darüber herrscht jedoch Schweigen.

Und Finanzminister Lindner gedenkt derweil, in die Rentenkasse zu greifen. So wurde der bis 2025 garantierte jährliche Zuschuss aus dem Bundeshaushalt für dieses Jahr gestrichen. Geld, das der DRV bald schon fehlen wird. Überfällig ist es auch, die Untergrenze der Finanzrücklage zu erhöhen, damit die DRV in Null-Zins-Zeiten, in denen kaum Renditen aus Beitragseinnahmen zu erzielen sind, liquide bleibt.

x