Ukraine-Krieg RHEINPFALZ Plus Artikel Putins syrische Hilfstruppen

Syrische Soldaten in der Stadt Daraa.
Syrische Soldaten in der Stadt Daraa.

Russland hat in Syrien damit begonnen, Kämpfer für den Krieg in der Ukraine anzuwerben. Experten bezweifeln aber, dass Hilfstruppen aus Nahost die militärischen Probleme des Kreml in der Ukraine lösen könnten.

Der russische Präsident Wladimir Putin kündigte vorige Woche den Einsatz der Syrer an. In einer vom Fernsehen übertragenen Sitzung des Sicherheitsrates teilte Verteidigungsminister Sergej Schoigu dem Staatschef mit, 16.000 Kämpfer aus Nahost warteten nur darauf, auf russischer Seite in der Ukraine eingesetzt zu werden.

Nun werden in Syrien die Hilfstruppen ausgehoben. Das berichtet der britische Militärgeheimdienst: Wegen der hohen Verluste im Ukraine-Krieg bringe Moskau frische Soldaten aus weit entfernten Landesteilen ins Kampfgebiet und versuche zunehmend, Söldner aus Syrien und von privaten Sicherheitsfirmen zu aktivieren, hieß es.

1000 Euro für den Kampfeinsatz?

Die Nachrichtenplattform „Middle East Eye“ berichtete, auf einer Facebook-Seite syrischer Militärs werde für den Einsatz in der Ukraine geworben. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte mit, die Anwerbung laufe über syrische Regierungsbehörden und den syrischen Geheimdienst in der Hauptstadt Damaskus, der Wirtschaftsmetropole Aleppo und anderen Städten. Rund 40.000 Männer sollen sich demnach bereits als Freiwillige registriert haben. In anderen Berichten ist von einigen tausend potenziellen Kämpfern die Rede. Den Syrern werden laut der Beobachtungsstelle 1000 Euro für den Kampfeinsatz versprochen. Was davon stimmt, lässt sich allerdings nicht unabhängig nachprüfen.

Danny Makki vom Nahost-Institut in Washington schätzt, dass die Anwerber wegen der desolaten Wirtschaftslage nach elf Jahren Krieg in Syrien keine Probleme haben werden, viele Interessenten zu finden. Aus Sicht Russlands seien die Syrer billige Söldner.

Militärische Qualität fraglich

Für Moskau wäre ein Einsatz syrischer Hilfstruppen allerdings ein zweischneidiges Schwert. Zwar könnten die Syrer die Angreifer verstärken. Doch der Kreml kann sich nicht auf die militärische Qualität der Kämpfer verlassen. Die syrische Armee stand im Jahr 2016 kurz vor der Niederlage gegen die Rebellen und wurde nur durch Militärhilfe aus Russland und dem Iran gerettet. Auch heute verfügt das Regime von Präsident Baschar al-Assad nicht über Truppen mit der Expertise und der Ausrüstung, um Putin in der Ukraine den Durchbruch zu ermöglichen.

Hinzu kämen andere Probleme: Die Kommunikation und Koordination zwischen den Russen und den Arabern auf den Schlachtfeldern der Ukraine wäre schwierig. Die Syrer würden auch in einem für sie völlig fremden Land eingesetzt. Außerdem wäre ein Einsatz von tausenden syrischen Kämpfern auf russischer Seite für den Kreml ein Eingeständnis der Schwäche. Die Gegner Russlands nehmen das Thema deshalb gerne auf. Dass Putin sich gezwungen sehe, Syrer anzuwerben, sei „interessant“, sagte etwa John Kirby, Sprecher des US-Verteidigungsministeriums.

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