Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Plötzlich kompromissbereit: Tauwetter zwischen Saudis und Iran

Der starke Mann in Saudi-Arabien ist Kronprinz Mohammed bin Salman. Seit dem Ende der Trump-Ära weht jedoch für ihn in Washingto
Der starke Mann in Saudi-Arabien ist Kronprinz Mohammed bin Salman. Seit dem Ende der Trump-Ära weht jedoch für ihn in Washington ein anderer Wind.

Die politische Eiszeit zwischen Saudi-Arabien und dem Iran scheint beendet. Die Annäherung bleibt zaghaft, aber sie dürfte sich intensivieren: Riad ist sich seiner Allianz mit den USA nicht mehr so sicher.

Seit der Teheraner Revolution 1979 sind der Iran und Saudi-Arabien Todfeinde. Die beiden Staaten erheben jeweils für ihre Glaubensrichtung die Vormachtstellung in der islamischen Welt: der Iran für die Minderheit der Schiiten und Saudi-Arabien – Hüterin der Heiligen Stätten von Mekka und Medina – für die Sunniten. Die Regionalmächte liefern sich blutige Stellvertreterkriege in Syrien oder auch im Jemen.

Der Machtkampf spiegelt sich in der staatlichen Propaganda: Gemessen an dem iranischen Revolutionsführer Ali Khamenei sei selbst Adolf Hitler ein Waisenknabe gewesen, sagte der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman, genannt MBS, einmal. Doch jetzt sind andere Töne vom Thronfolger in Riad zu hören. Er wolle gute Beziehungen zu Teheran und wünsche sich einen wohlhabenden Iran, sagte MBS im saudischen Fernsehen.

Neue globale Strategie der USA

Der einfache Grund für den vermeintlichen Sinneswandel: Die Aussicht auf einen Rückzug der Schutzmacht USA aus dem Nahen Osten zwingt den saudischen Kronprinzen zum Kurswechsel. Seit den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts und bis ins 21. Jahrhundert hatte Washington seine Präsenz am Golf immer weiter ausgebaut. Seit einem Jahrzehnt aber, dem US-Rückzug aus dem Irak, macht man sich in Riad zunehmend Sorgen. Die harte Kante, die die neue Regierung in Washington gegenüber MBS und Riad zeigt, sorgt nun offenbar für eine grundsätzliche Neuorientierung. So hat Biden die US-Hilfe für die saudische Intervention im Jemen gestoppt.

Teheran hat die neuen Töne aus Riad begrüßt. Beide Länder könnten ein neues Kapitel der Zusammenarbeit aufschlagen, sagt der iranische Außenamtssprecher Saaed Khatibzadeh. Über Nacht werden sich die Differenzen aber nicht überwinden lassen – zu tief ist die Feindschaft.

Mit Unterstützung von US-Präsident Donald Trump schmiedete MBS ab 2017 ein umfassendes Nahost-Bündnis gegen Teheran. Die Vereinigten Emirate (VAE) als Hauptverbündete Saudi-Arabiens sowie Bahrain und Sudan schlossen Frieden mit Israel, während Saudi-Arabien als eine Art stiller Teilhaber agierte. Die Allianz brachte damit die wichtigsten Gegner der Iraner in der Region zusammen.

Kostspieliger Krieg im Jemen

Doch der Preis der Aggression, gerade im Jemen, ist hoch. Der Krieg gegen die iranisch unterstützten Huthi-Rebellen, den MBS im Jahr 2015 anzettelte, ist für die Saudis nicht zu gewinnen. Die Huthis marschieren auf die strategisch wichtige Stadt Marib zu und greifen saudische Städte und Ölanlagen mit Raketen und Drohnen an. Und wie die USA wollen auch die VAE im Jemen nicht weiterkämpfen.

Als erste Annäherung zwischen Teheran und Riad hat es nun Anfang des Monats Gespräche in Bagdad gegeben. Dies ist ein starkes Signal nach immerhin fünf Jahren ohne diplomatische Beziehungen. Vor einigen Tagen traf zudem der iranische Außenminister einen Abgesandten der Huthis im Oman.

Die USA haben derweil erkannt, dass die Trump’sche Konfrontationstaktik die Gefahr einer iranischen Atombombe nicht gebannt hat. Zudem will Washington weitere Truppen aus dem Nahen Osten abziehen, um sich strategisch verstärkt auf die Rivalität mit China im Pazifik-Raum zu konzentrieren. Dies wäre eine echte Zeitenwende.

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