Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Pjöngjangs krude Logik

Südkoreanische Marineinfanteristen auf Patrouille.
Südkoreanische Marineinfanteristen auf Patrouille.

Die nordkoreanische Führung provoziert wieder einmal die Weltgemeinschaft. Wahrscheinlich will sie damit Zugeständnisse erpressen. Die „Sonnenscheinpolitik“ ist erst einmal Geschichte.

Als Südkoreas Führung per Satellit live mit anschauen musste, wie das Symbol der friedlichen Wiedervereinigung in einer Explosion in sich zusammenfiel, gab es nur eine gute Nachricht: Eigene Leute kamen nicht zu Schaden – Seoul hatte seine Vertreter schon vor Wochen wegen der Pandemiegefahr aus dem innerkoreanischen Verbindungsbüro in Kaesong abgezogen. Und dennoch überwog die schlechte Nachricht: Die „Sonnenscheinpolitik“, mit der Südkorea das Kim-Regime im Norden behutsam in die Weltgemeinschaft einbinden wollte, ist erst einmal Geschichte.

Das Plattenhochhaus in der ehemals gemeinsamen Industriezone Kaesong, nur wenige Kilometer nördlich der streng gewachten Demarkationslinie am 38. Breitengrad, erwies sich als ein trügerisches Symbol. Formell herrscht immer noch – seit 70 Jahren – Kriegszustand zwischen dem Norden und dem Süden der geteilten koreanischen Halbinsel, und ein Friedensvertrag ist wohl wieder nur eine schöne Illusion.

Neue Eskalationsstufe

Am Mittwoch zündete Pjöngjang eine weitere Eskalationsstufe. Nordkoreas Armeeführung kündigte an, wieder massive Truppenverbände in die Grenzregion zu verlegen und mit ihnen künftig Manöver abzuhalten. Auch werden erneut militärische Kontrollposten in die demilitarisierte Zone einziehen – so wie vor dem 2018 begonnenen Entspannungsprozess. Beiderseits wurden seither Schießübungen eingestellt und Landminen geräumt.

Südkoreas Präsident Moon Jae In, der Nordkoreas Führer Kim Jong Il zum ersten und damit „historischen“ Staatsbesuch nach Seoul eingeladen hatte, muss schmerzhaft erkennen, dass seine Politik gescheitert ist. Der Seouler Staatschef blitzte am Mittwoch auch mit einem vielleicht letzten Versuch ab, Sondergesandte auf Deeskalationsmission nach Pjöngjang zu schicken. Wieder war es die knallharte Schwester des Diktators, Kim Yo Jong, die diesen Rettungsversuch als „taktlosen und teuflischen Vorschlag“ zurückwies. Die 32-Jährige hatte bereits den Abbruch aller Kommunikationswege und die Sprengung des Verbindungsbüros angeordnet.

Pjöngjang will Druck aufbauen

Damit türmen sich auch neue Hürden für den Dialog zwischen den USA und Nordkorea. Eigentlich war in dieser Woche auf Hawaii ein Treffen von US-Außenminister Mike Pompeo mit chinesischen Delegierten geplant. Thema: Wie kann man Pjöngjang einfangen, ohne dass Kim und Genossen das Gesicht verlieren?

Das wäre zumindest eine Chance gewesen, die Eiszeit zwischen Nordkorea und den USA nach dem gescheiterten Gipfel von Hanoi wenigstens ein bisschen aufzutauen.

In der Zeitung „Korea Times“ war die Vermutung zu lesen, Pjöngjangs jüngst wieder aufgeflammte Aggressivität solle Druck aufbauen, vor allem gegenüber den USA. Nordkoreas Außenminister Ri Son Gwon beklagte dieser Tage, die Führung sei „verzweifelt“ über die „rasch fortschreitende Verschlechterung“ der Beziehungen zu Washington. Frühere „Hoffnung“ sei in einen „Albtraum“ umgeschlagen. Von der herzlichen Freundschaft zwischen Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump ist in Pjöngjang schon lange nicht mehr die Rede.

Wenn die Führung in Pjöngjang nicht weiter weiß, greift sie stets zu dem immer gleichen Mittel. Statt zur Wiederaufnahme des Dialogs entschied sich die Kim-Clique für ihre eigene krude Logik. Erst provozieren, dann erpressen und sich irgendwann mit viel Geld wieder „friedlich“ stimmen lassen.

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