Politik RHEINPFALZ Plus Artikel Pfälzer müssen für Brexit zahlen

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Eine Touristin macht vor dem Parlament neben Plakaten gegen einen Brexit ein Selfie.

Wie sich die Loslösung Großbritanniens von der EU auf die Einkommen der Bürger auswirkt.

Wie der Brexit konkret aussehen wird, ist immer noch offen. Doch klar ist: Die Bürger in Rheinland-Pfalz und in allen anderen Bundesländern müssen mit Einkommensverlusten rechnen. In der Region Rheinhessen-Pfalz, also zwischen der Grenze zum Elsass und Mainz, wird ein ungeregelter – harter – Brexit jeden Einwohner mit rund 100 Euro pro Jahr belasten. Zum Vergleich: In Stuttgart sind es 116 Euro, in Berlin 82 Euro, in Freiburg 85 Euro. Der Grund für die Einkommensverluste ist der Umstand, dass der Brexit den Handel verteuern wird, was auf Wettbewerb, Konsum und Investitionen drückt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Universität von Sussex. Die Untersuchung analysiert zum ersten Mal die Effekte des Brexits auf der Ebene der deutschen Bundesländer. Anhand von Simulationsrechnungen und Auswertungen europäischer Handelsströme werden darin die Folgen eines Brexits prognostiziert. Die Studie liefert Ergebnisse für rund 300 Regionen in Europa. Am schlimmsten trifft es demnach Großbritannien selbst, wo das Einkommen in einzelnen Gebieten im Süden des Landes pro Kopf bis zu 850 Euro pro Jahr sinken wird. Am stärksten wäre London von einem harten Brexit betroffen. Hier würden die Einkommensverluste für alle Einwohner bei mehr als fünf Milliarden Euro pro Jahr liegen (rund 2800 Euro pro Kopf).

Preisaufschläge und niedrigere Produktivität

In Deutschland müsste der Regierungsbezirk Düsseldorf am stärksten leiden. Hier rechnen die Autoren mit Einkommensverlusten von insgesamt 650 Millionen Euro pro Jahr – dies entspricht rund 126 Euro jährlich pro Einwohner bei einem harten Brexit. Es folgt der Regierungsbezirk Oberbayern (mit dem Großraum München und Ingolstadt), wo vor allem die Automobilindustrie betroffen wäre. Hier liegen die Einkommensverluste bei 526 Millionen Euro pro Jahr (115 Euro pro Kopf). Die niedrigsten Verluste würden bei einem harten Brexit die Regionen Trier (92 Euro) sowie Leipzig (75 Euro) und Chemnitz (65 Euro) treffen. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass ein geordneter – weicher - Austritt Großbritanniens den Gesamtschaden in jedem Land halbieren würde. Wesentliche Treiber für die Verluste sind Preisaufschläge und eine niedrigere Produktivität in Folge des Brexits: Neue Zölle würden Waren und Dienstleistungen verteuern. Der schwächere Handel mit Großbritannien würde darüber hinaus zu Preisaufschlägen führen, weil der Wettbewerb um die besten Produkte in Europa in vielen Branchen zurückgehen könnte. Gleichzeitig könnte die Produktivität von Unternehmen langsamer wachsen, weil Anreize für neue Investitionen und Produktinnovationen geringer würden. Der zu erwartende schwächere Wettbewerb und ein geringes Produktivitätswachstum könnten höhere Preisen bewirken und die Lohnentwicklung dämpfen.

Besonders wichtig für NRW

„Gerade Regionen mit produktiven Mittelstandsunternehmen wären von einem Brexit besonders betroffen“, sagt Dominic Ponattu, Mitautor der Studie. Dazu zählen in Deutschland unter anderem Regionen wie das Rheinland und Ostwestfalen sowie das Umland der Metropolen Stuttgart und Hamburg. In Oberbayern wären die Verluste geringer als in Düsseldorf und Köln. Dies liegt auch daran, dass Großbritannien für den Export des Landes Nordrhein-Westfalen (dritthöchste Ausfuhren) eine größere Bedeutung hat als für Bayern. Für den Freistaat spielen beispielsweise Ausfuhren nach Asien und in die USA eine weit größere Rolle.

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