Expedition RHEINPFALZ Plus Artikel Paul-Henri Nargeolet : Mehr als 30 Mal zur „Titanic“ getaucht

Paul-Henri Nargeolet an einem Modell des „Titanic“-Wracks.
Paul-Henri Nargeolet an einem Modell des »Titanic«-Wracks.

Der Franzose Nargeolet zählt zu den besten Kennern der „Titanic“, des 1912 gesunkenen Luxusdampfers. Nun steuerte der 77-Jährige das verschollene Tauchboot „Titan“.

Paris. „Monsieur Titanic“ – der Spitzname, den ihm nun französische Medien geben, bekommt einen makabren Beigeschmack angesichts der Tatsache, dass Paul-Henri Nargeolet immer noch nicht wieder von einer Expedition zu dem berühmten Schiffswrack zurückgekehrt ist. Wie seine Familie bestätigte, steuerte der 77-jährige Franzose das Tauchboot „Titan“, das seit Sonntag vermisst wird.

Der frühere Marinetaucher Nargeolet gilt als äußerst erfahrener Spezialist für das Wrack der „RMS Titanic“. Mehr als 30 Mal ist er zu dem legendären Schiff in rund 3800 Meter Tiefe hinab getaucht. Er gehörte bereits der ersten Expedition im Juli 1987 an. Jede verlaufe anders, betonte Nargeolet einmal. „Selbst wenn Sie vier, fünf, sechs, sieben oder bis zu acht Stunden lang am Meeresgrund bleiben, wollen Sie eigentlich nicht wieder nach oben kommen“, sagte er in einem Interview. „Manchmal reize ich es bis zum Ende der Batterien aus, manchmal sogar darüber hinaus. Dafür bin ich mehrmals getadelt worden.“

Karriere in der französischen Marine begonnen

Trotz dieses Geständnisses und trotz seines unbestrittenen Entdeckergeistes beschreiben ihn frühere Kollegen und Freunde als umsichtig und professionell. Nargeleot sei „ein Mann des Handelns, der nie vor einer Herausforderung zurückweicht, aber immer alle Vorkehrungen trifft, um ihr zu begegnen“, sagte nun Max Guérout, Ex-Marineoffizier und Spezialist für Unterwasserarchäologie.

Wie Guérout begann auch Paul-Henri Nargeolet seine Karriere in der französischen Marine, für die er 22 Jahre lang Unterwassereinsätze durchführte und leitete. Im Jahr 1946 in der Alpenstadt Chamonix geboren, war er seit jeher angezogen vom Meer. 1986 beauftragte ihn das französische Forschungsinstitut zur Nutzung der Meere, Ifremer, mit der Leitung der Tauchexpeditionen an Bord des U-Boots „Nautilus“ zum Wrack der „Titanic“. Später zog er in die USA und übernahm als Verantwortlicher das Programm für Tiefseeforschungen bei der US-Gesellschaft RMS Titanic Inc.

Bei seinen zahlreichen Tauchaktionen holte Nargeolet etliche Objekte aus der „Titanic“ an die Oberfläche. Er untersuchte aber auch die Tier- und Pflanzenwelt, die sich in dem und um das Wrack angesiedelt hat. Es handle sich um eine Art „Oase inmitten einer riesigen Wüste“, schwärmte er. Mehrere bis dahin unbekannte Tierarten wurden entdeckt. Erst im vergangenen Jahr erschien sein Buch mit dem Titel „In den Tiefen der Titanic“.

Ein Tauchboot aus Kohlefaser

An diesem Freitag hätte Nargeolet von der französischen Marineakademie mit einer Medaille ausgezeichnet werden sollen, wie Michel L’Hour berichtete, der ehemalige Direktor des Instituts für archäologische Unterwasserforschungen. Im Mai habe er zum letzten Mal mit Nargeolet telefoniert und mit ihm auch über das nun verschollene „Titan“-Boot gesprochen.

Er persönlich habe wenig Vertrauen in ein Tauchboot aus Kohlefaser mit einem einzigen kleinen Guckloch, sagte L’Hour gegenüber der südfranzösischen Regionalzeitung „Nice-Matin“. „Ich fragte ihn: Hast du keine Angst? Aber er wollte sehen, wie das funktioniert.“ Andere Vertraute berichten, dass auch Nargeolet nicht vollständig überzeugt von der Sicherheit des „Titan“ war.

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