Ukraine-Krieg
Panzerlieferung: Ukraine froh, Russland wütend
Der russische TV-Propagandist Wladimir Solowjow gab sich düster. „Meiner Meinung nach zeigt die Uhr des jüngsten Gerichtes schon keine Sekunden mehr an, sondern ihre Bruchteile“, verkündete er am Mittwoch angesichts der künftigen Lieferungen amerikanischer und deutscher Kampfpanzer an die Ukraine. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow verbreitete dagegen kriegerische Gelassenheit. „Diese Panzer werden brennen, wie alle anderen. Nur dass sie viel teurer sind.“ Russlands Staatsöffentlichkeit weiß nicht so recht, wie sie auf die Meldung über die der Ukraine zur Verfügung gestellten Panzer aus dem Westen reagieren soll.
In Kiew hingegen rufen diese Neuigkeiten zwar Freude, aber keine Begeisterung hervor. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte schon vor Tagen gesagt, angesichts Tausender Panzer auf russischer Seite würden zehn, 20 oder 50 Fahrzeuge das Problem nicht lösen. „Einige hundert Panzer für unsere Panzertruppen“, forderte Andrij Jermak, Leiter des ukrainischen Präsidialbüros. „Das wäre eine echte Stoßwaffe der Demokratie gegen diese Sumpf-Autokraten.“ Der Kiewer Militärexperte Michail Samuss hofft auf bis zu 300 Panzer aus dem Westen. Aber er und andere ukrainische Fachleute gehen schon einen Schritt weiter und reden bereits laut von amerikanischen F-16-Kampfjets. Diese würden die für eine große Gegenoffensive nötige Luftüberlegenheit schaffen.
Dem Westen rote Linie aufzeigen
Den Russen missfallen schon die Leoparden und Abrams. Die Zeitung „Moskowski Komsomolez“ zitiert den Militärexperten Wladislaw Schurygin, der sich beschwert, dass Moskau seine Streitkräfte noch nicht in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt habe. Man müsse Atom-U-Boote und mobile Raketensysteme in Bewegung setzen, um dem Westen die roten Linien aufzuzeigen.
Der Leopard gilt in Russland nicht nur als Rückgrat der Bundeswehr im Kalten Krieg, sondern auch als Nachfolger der Wehrmachtspanzer Tiger und Panther, mit denen es die Sowjetarmee im Zweiten Weltkrieg zu tun hatte. „Jetzt zeigt sich die tief in der deutschen Elite steckende Russophobie“, schreibt die Staatsagentur RIA Nowosti. „Offenbar haben sie uns weder unseren Sieg im Zweiten Weltkrieg noch die Eroberung Berlins oder das Bemühen um eine gleichberechtigte Partnerschaft verziehen.“ Berlin habe sich nun doch dem Druck der USA und Polens gebeugt, die Panzer zu liefern, und sei so zum „Fußabtreter“ für den Rest der Welt geworden.
Der russische Wunderpanzer
Seit Wochen spekulieren Militärblogger über das baldige Auftauchen des russischen Wunderpanzers T-14 Armata an der Front, dessen Stahl angeblich von keiner Leopard-Kanone durchschlagen werden kann. Aber wie das Portal topwar.ru schreibt, sind bisher nur wenige Dutzend der umgerechnet 4,7 Millionen Euro teuren Hightech-Panzer einsatzfähig. „Das Prestigeprojekt gehört in die Schublade“, so die Schlussfolgerung. Leopard und Armata werden sich in der Ukraine wohl kaum begegnen.