Krieg in der Ukraine
Panzer könnten der Ukraine in der derzeitigen Kriegsphase helfen
Mit Kampfpanzern westlicher Bauart will die ukrainische Regierung ihre Streitkräfte durchsetzungsfähiger bei weiteren Gegenschlägen machen. Geht es nach Kiew, würden die bereits aus Deutschland gelieferten und weit in den Raum wirkenden Panzerhaubitzen und Mehrfachraketenwerfer nun um Kampfpanzer und Schützenpanzer ergänzt. Im Zentrum der Begehrlichkeit steht dabei der Kampfpanzer Leopard 2 A4, der nur in dieser älteren, aber oft verwendeten Variante noch verfügbar scheint. Das gilt auch für den Schützenpanzer Marder, eigentlich ein Auslaufmodell in der Bundeswehr.
Militärexperten verweisen auf die zentrale Rolle, die das Zusammenwirken der beiden Panzergattungen bei der Rückeroberung von besetzten Gebieten und dem Kampf im urbanen Raum haben. Vier Soldaten sind die Besatzung im Leopard 2, aus dem sie nur „aufgesessen“ den Kampf führen (also aus dem Fahrzeug heraus): Dies sind der Kraftfahrer, ein Richtschütze, ein Ladeschützen und der Kommandant. Mit seiner großen Feuerkraft und seiner Feuerleitanlage ist der Leopard auch in der unmittelbaren Konfrontation mit dem Gegner auf Sicht „duellfähig“. „Auf die vielseitige Überlegenheit des Leopard vertrauen die Streitkräfte von 18 Nationen“, schreibt Hersteller KMW. Mehrfach ist der Leopard 2 auch als „bester Kampfpanzer der Welt“ bezeichnet worden.
Panzer mit wichtiger Rolle im Ukraine-Krieg
Dabei ist der Leopard zusammen mit Schützenpanzern im Einsatz, in denen Panzergrenadiere in einem hinteren Raum sitzen und auch „abgesessen“ kämpfen – also mit Gewehren oder Panzerfäusten ausgestattet das Panzerfahrzeug über eine Heckklappe verlassen. Die eigenen Stahlkolosse versuchen sie dabei zu schützen.
„Die Schlachten des Ukrainekrieges werden nicht nur, aber vor allem von gepanzerten Verbänden geschlagen“, hat das deutsche Verteidigungsministerium festgestellt. Im Format „#nachgefragt“ lässt man den obersten Panzer-Lehrer zu Worte kommen. Die Panzertruppen charakterisiere „eine hohe Dynamik, hohe Mobilität“ trotz der Ketten und das in schwierigsten Gelände, sagt Brigadegeneral Björn Schulz, Kommandeur der Panzertruppenschule der Bundeswehr.
Leopard böte mit seinen Fähigkeiten Vorteile
Schulz erklärt, dass nicht nur im offenen Gelände, sondern auch im urbanen Raum, also in Städten und Dörfern, maximale Dynamik entwickelt werden könne. Zugleich biete der Panzer besonders viel Schutz. Der Leopard punkte zudem mit seiner 120-Millimeter-Kanone.
Solche Fähigkeiten würden in der nun begonnen Phase der Rückeroberung von Gebieten sehr wichtig für die Ukrainer. Die ukrainischen Soldaten verteidigten geschickt und hätten den angreifenden Russen Möglichkeiten genommen, aus der Luft und aus großer Entfernung zu treffen, sagt der General. So komme es jetzt öfter zum direkten Gefecht.
Kampf im urbanen Raum in Europa unvermeidbar
Dass der Kampf in dicht besiedelten Gebieten ausgetragen wird, sei erwartbar, findet der Panzertruppen-Kommandeur. In diesen Gebieten würden Kriege in Europa im Regelfall entschieden. „Dort ist Schlüsselinfrastruktur, dort sind Regierungseinrichtungen, Kraftwerke. Ich brauche Brücken, ich brauche bestimmte Straßen. Das kann ich einfach nicht außen vor lassen. Also muss ich dort auch den Krieg hintragen, unter maximalem Schutz der Zivilbevölkerung“, erläutert Schulz.
Deutschland habe schon weitreichende und bedeutende Waffensysteme an die Ukraine gegeben, die jetzt erfolgreich eingesetzt würden, hat Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bedeutet. Alleingänge schließt er weiter aus, gleichzeitig ist von einer deutschen „Führungsrolle“ wiederholt die Rede gewesen. Kein Land hat aber bisher westliche Kampfpanzer an die Ukraine abgegeben.
Strack-Zimmermann: Lieferung kein Alleingang
„Es gibt keine stichhaltigen Argumente mehr, um die Ukraine nicht zu unterstützen und ihnen schwere Waffen vorzuenthalten“, sagte die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), am Donnerstag dazu. Die ukrainische Armee sei in der Lage, westliches Militärgerät schnell zu adaptieren, lobte sie gleichzeitig die Fähigkeiten der Ukrainer.
Die Linie des Verteidigungsministeriums – die Bundeswehr habe alles geliefert, was möglich sei – „teilen wir als Freie Demokraten ausdrücklich nicht“, hat Marie-Agnes Strack-Zimmermann mittlerweile mehrfach betont. Deutschland fokussiere sich trotz der aktuellen Lage in der Ukraine darauf, „bloß alle Nato-Verpflichtungen irgendwie zu erfüllen“. Die FDP-Politikerin fordert, dass Deutschland in Europa vorangehen müsse. Das sei kein Alleingang, sondern Wunsch der Partner: „Wer diesen Wunsch anders interpretiert, geht an der Wirklichkeit vorbei.“