Berliner Flughafen
Pannen-Airport BER: Wo nicht mal das Laufband funktioniert
Vor wenigen Tagen musste das Hauptterminal am BER komplett geräumt werden. Offenbar hatte sich eine Frau auf der Damentoilette eine Zigarette genehmigt, die den Rauchalarm auslöste. „Die Rauchmelder funktionieren“, kommentierte Aletta von Massenbach, die Chefin der Flughafengesellschaft Berlins, Brandenburgs und des Bundes (FBB) den Vorfall trocken.
Dann fügte sie noch ein Detail hinzu, das aufhorchen ließ: das Brandmeldesystem sei „sehr sensibel eingestellt“, weshalb es jederzeit wieder passieren könne, dass der Flugbetrieb wegen einer einzigen Zigarette eingestellt werden muss. Man versuche jetzt mit den zuständigen Behörden, die Einstellungen zu verändern.
Die Mängelliste bleibt derweil lang, immer wieder kommt auch etwas dazu. So sind bereits alle 17 Laufbänder im Terminal kaputt. Sie müssen ausgetauscht oder „grundhaft instandgesetzt werden“, wie Frau von Massenbach erläuterte. Daneben gibt es auch Probleme mit einigen Fahrstühlen und mit den so genannten Vereinzelungsschleusen, die die Menschenmengen eigentlich kanalisieren sollen. Doch etliche Reisende fühlten sich in den Sicherheitsglaskäfigen wie Gefangene, weil sie sich trotz eines grünen Signals nicht wieder öffneten.
Wasser war ungenießbar
Gute Nachrichten gibt es auch: So teilten die BER-Betreiber gerade mit, dass das Wasser im Haupt- und Regierungsterminal sowie im Gebäude der Bundespolizei jetzt wieder als Trinkwasser genutzt werden darf. Anfang November waren bei Routinetests coliforme Bakterien entdeckt worden. Für die Wartenden gab es weder Tee noch Kaffee. Inzwischen sind alle Leitungen durchgespült, doch die Ursache für die Verunreinigung blieb unklar.
Immerhin fällt die Analyse der chaotischen Zustände in den Herbstferien eindeutig und ehrlich aus: Viel zu wenige Schalter waren geöffnet, es fehlte auch Personal für Gepäckservice und Sicherheitskontrollen. So ließ die Lufthansa ihre Kunden zeitweise wissen, dass sie sich vier (!) Stunden vor Abflug am Flughafen einfinden sollten. Durch den pandemiebedingt ohnehin aufwendigeren Check-in verpassten zahlreiche Passagiere ihre Flüge. Für ältere und gehbehinderte Menschen war der erste Ansturm nach der monatelangen Corona-Leere eine einzige Strapaze: kaum Sitzgelegenheiten und ausgefallene Laufbänder. Viele Reisende fluchten verärgert, andere sind überzeugt, dass über diesem Airport ein Fluch liegt.
Offenbar hatte niemand von den Verantwortlichen den Beginn der Herbstferien vorhersehen können und geahnt, dass die Bänder im Volllast-Betrieb stärker beansprucht werden als in den jahrelangen Testläufen. Die Lage sei „sehr unbefriedigend“, räumte die Flughafenchefin ein, versicherte aber: „Wir wollen, dass es besser wird.“ Dazu soll das Terminal 2 beitragen, das bislang wegen der wenigen Fluggäste noch nicht eröffnet wurde. In diesem Jahr werden am BER wohl nur rund zehn Millionen Passagiere gewesen sein, deutlich weniger als ein Drittel des Vor-Corona-Niveaus.
Termin 2 noch nicht im Betrieb
Für die nächste große Herausforderung, den Weihnachtsreiseverkehr, ist eine Inbetriebnahme von Terminal 2 noch nicht möglich. Der von der Bundespolizei eingesetzte Dienstleister für die dortigen Sicherheitskontrollen muss erst einmal entsprechendes Personal rekrutieren und schulen. Bis zu den Osterferien soll das klappen.
Immerhin: Schon im Dezember sollen am BER wieder beide Start- und Landebahnen genutzt werden. Seit Frühjahr wurde aus Kostengründen im monatlichen Wechsel immer nur eine Bahn benutzt.
Wegen der üppigen BER-Milliardenkredite und der massiven Einnahmeausfälle während der Pandemie benötigt die FBB von den drei Eignern laut der Chefmanagerin bis 2026 2,4 Milliarden Euro. Schon vor der größten Krise der zivilen Luftfahrt war absehbar, dass der 6,8 Milliarden Euro teure Großflughafen ein dauerhafter Kostgänger der Steuerzahler bleiben wird. Laut von Massenbach reicht die Liquidität nur noch bis ins erste Quartal 2022, denn im Februar müsse die Gesellschaft eine größere Zahlung für den Schuldendienst leisten.