Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Olympia-Attentat: Kein Schlussstrich

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei der Gedenkveranstaltung in Fürstenfeldbruck.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei der Gedenkveranstaltung in Fürstenfeldbruck.

Die Aufarbeitung der Geschehnisse rund um das Olympia-Attentat vor 50 Jahren muss weitergehen.

Zeit, so heißt es im Volksmund, heile alle Wunden. Zumindest für den Anschlag palästinensischer Terroristen auf israelische Sportler und Trainer während der Olympischen Spiele in München 1972 gilt das aber nicht. Das Ausmaß an Dilettantismus, das die Verantwortlichen bei Polizei, Sicherheitskräften und Politik damals im olympischen Dorf und auf dem Flugplatz Fürstenfeldbruck an den Tag legten, bleibt bis heute unfassbar. Und niemand übernahm danach Verantwortung für die haarsträubenden Fehler und Versäumnisse, die entscheidend zum schrecklichen Ausgang des Überfalls beitrugen.

Damit nicht genug, dauerte es ein halbes Jahrhundert, ehe sich die Bundesrepublik endlich mit den Hinterbliebenen der elf damals ermordeten Israelis auf die Modalitäten einer Entschädigung einigen konnte.

Gründliche Aufarbeitung bleibt wichtig

Es blieb Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vorbehalten, bei der Gedenkfeier in Fürstenfeldbruck die Fehler der Vergangenheit klar und ohne den Versuch der Relativierung zu benennen. Seine an die Angehörigen adressierte Bitte um Vergebung ist ein eindrucksvolles Signal, darf aber nicht als Schlussstrich unter das damals Geschehene angesehen werden.

Wichtig bleibt die fundierte und gründliche Aufarbeitung der schrecklichen Stunden von München und des anschließenden Umgangs mit den Geschehnissen, des „Schweigens und Verdrängens“, wie es Steinmeier nun nannte. Diese Aufgabe wurde richtigerweise einer deutsch-israelischen Historikerkommission übertragen.

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