Politik Nordkorea: Nächste Stufe der Eskalation

«Pjöngjang/New York.» Als Antwort auf kriegerische Töne von US-Präsident Donald Trump droht Nordkorea jetzt mit dem möglichen Test einer Wasserstoffbombe über dem Pazifik. Außenminister Ri Yong Ho sagte laut südkoreanischer Nachrichtenagentur Yonhap, der nächste Atomtest Nordkoreas könne die „stärkste Explosion einer Wasserstoffbombe“ im Pazifischen Ozean bringen. Die Entscheidung liege jedoch „bei unserem Führer“. Im Pazifik unterhalten die USA Militärstützpunkte, unter anderem auf Guam. Machthaber Kim Jong Un ging Trump gestern in einer persönlichen Stellungnahme zu dessen Drohung mit einer „totalen Vernichtung“ Nordkoreas im Fall eines Angriffs mit den Worten an: „Ich werde den geisteskranken, dementen US-Greis gewiss und auf jeden Fall mit Feuer bändigen." US-Präsident Trump hatte den rhetorischen Schlagabtausch um das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm am Dienstag in seinem ersten Auftritt vor der UN-Vollversammlung angeheizt, indem er warnte, das US-Militär würde das ostasiatische Land notfalls „völlig zerstören“. Kim konterte nun, er werde Trump „für seine Rede teuer bezahlen lassen“. Der Amerikaner habe ihn und sein Land „vor den Augen der Welt beleidigt und die wildeste Kriegserklärung der Geschichte abgegeben“, hieß es in einer von den nordkoreanischen Staatsmedien veröffentlichten Erklärung des Staatschefs. Die Drohungen des US-Präsidenten hätten ihm aber weder Angst gemacht noch ihn gestoppt. Trump erwiderte die Drohung gestern auf „Twitter“: Kim sei „offensichtlich ein Verrückter, dem es gleichgültig ist, dass er sein eigenes Volk aushungert oder tötet“. Die Bundesregierung bezeichnete die Rhetorik Trumps und Kims als „nicht hilfreich“. Es dürfe aber nicht vergessen werden, „wer hier das Völkerrecht zum wiederholten Male bricht“, sagte ein Außenamtssprecher mit Blick auf Nordkoreas Waffentests. Regierungssprecher Steffen Seibert mahnte, dieser Konflikt dürfe nur mittels der Diplomatie angegangen werden, „alles Andere führt ins Unglück“. China und Russland forderten Nordkorea zur Mäßigung auf. Ein chinesischer Außenamtssprecher sagte, alle „maßgeblichen Parteien“ sollten Zurückhaltung üben und „aufeinander zugehen“. Russlands Außenminister Sergej Lawrow kritisierte sowohl die martialischen Drohungen Trumps als auch die „abenteuerliche Politik“ Pjöngjangs. Lawrow sprach von einem „Kindergartenkampf“. Seite 3