Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Dynamik beim Klimaschutz

Die Prozesse in der Erdatmosphäre werden teilweise durch menschliche Aktivitäten beeinflusst – eine Folge ist der Klimawandel.
Die Prozesse in der Erdatmosphäre werden teilweise durch menschliche Aktivitäten beeinflusst – eine Folge ist der Klimawandel.

Der Welt-Klimagipfel fällt dieses Jahr aus. Dennoch tut sich derzeit ziemlich viel beim Thema Klimaschutz. Das verrät schon der Blick auf bahnbrechende Urteile und die Wirtschaft.

Eigentlich sollte dieser Tage der jährliche Welt-Klimagipfel unter dem Dach der Vereinten Nationen im schottischen Glasgow stattfinden. Doch weil sich da Zehntausende Menschen aus allen Ecken der Welt drängeln, wurde er schon vor Monaten aus naheliegenden Gründen abgesagt und auf nächstes Jahr verschoben. Dabei wäre es ein sehr wichtiger Gipfel geworden: Fünf Jahre nach dem als historisch bezeichneten Welt-Klimagipfel von Paris im Jahr 2015 hätten die meisten der 190 Unterzeichnerstaaten ambitioniertere Programme vorlegen sollen. Denn kein einziges Land dieser Welt befindet sich in der Praxis momentan auf einem Weg, um seine Klimaschutzverpflichtungen erfüllen zu können.

Sehr wichtig ist daher das Signal, das die Europäische Union von ihrem eigenen Gipfel aussendet, der am Donnerstag begonnen hat. Besonders große Hoffnungen auf Fortschritte beim globalen Klimaschutz macht die Tatsache, dass die USA demnächst wieder mit von der Partie sein werden. Eine seiner ersten Amtshandlungen, so hat der neugewählte US-Präsident Joe Biden angekündigt, werde die Rückkehr seines Landes in den Pariser Klimavertrag sein. Eine der ersten Amtshandlungen Donald Trumps war es, dort auszutreten.

Unterm Radar der Öffentlichkeit

Doch unterhalb dieser politischen Ebene, die dominiert wird von Versprechen für die Zukunft, gibt es eine ganze Reihe von Entscheidungen oder Ereignissen, die den Klimaschutz in der Realität bereits voranbringen. Manche erfolgen fast komplett unterm Radar der Öffentlichkeit. So wurde zum Beispiel am Mittwoch vermeldet: Die länderübergreifende Stromleitung NordLink zum Austausch norwegischer Wasserkraft und deutscher Windenergie hat den Probebetrieb aufgenommen. Das bedeutet: Im deutschen Stromnetz kann erneuerbare Energie bald mit größerer Sicherheit eingeplant werden, weil Flauten besser ausgeglichen werden.

Überhaupt spielt Klimaschutz bei Unternehmen verglichen mit der Zeit vor „Paris“ eine sehr große Rolle (die Rede ist dabei meist von Klimaneutralität, die in einiger Zeit erreicht werden soll). Vor allem Aktiengesellschaften sind in dieser Hinsicht gefordert. Nicht allein aus Imagegründen, sondern weil sonst Großinvestoren von einem Engagement Abstand nehmen würden. Denn warum sollte ein großer Anleger (Versicherungsgesellschaften, Pensionsfonds oder professionelle Vermögensverwalter) Aktien einer Firma kaufen, deren Geschäftsmodell in Wahrheit ein Auslaufmodell ist? Dies, weil die kommende höhere Besteuerung beim Ausstoßen von Treibhausgasen genau diese Firma gegenüber der klimaschutzbewussteren Konkurrenz unrentabel werden lässt.

Oberstes Gericht mahnt Regierung

Doch nicht nur auf der wirtschaftlichen Ebene, sondern auch in juristischen Gefilden hat sich einiges getan. So entschied das oberste Gericht der Niederlande, der Hohe Rat, vor einem Jahr, dass die Regierung in Den Haag zügig Maßnahmen gegen die sich verschärfende Erderhitzung ergreifen müsse, um die Grundrechte der Bevölkerung zu wahren – auch mit Blick auf die nächsten Generationen. Zu ähnlichen Urteilen und damit Verpflichtungen wird es im Laufe der nächsten Jahre vermutlich auch in anderen Staaten kommen.

Der weltweite Klimaschutzprozess ist also längst viel umfassender zugange als es die politische Klima-Diplomatie suggeriert. Sicherlich läuft alles angesichts der Dringlichkeit immer noch zu langsam, auch, weil es noch zu viele Trittbrettfahrer auf der Welt gibt. Doch die Dynamik hat gewaltig zugenommen – und das ist doch eine ziemlich gute Botschaft.

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