Olympia RHEINPFALZ Plus Artikel Mut zum Tattoo – lieber nicht in Japan

Tattoos wie hier auf Gold-Gewinnerin Lindy Aves Oberschenkel sind bei Japanern verpönt.
Tattoos wie hier auf Gold-Gewinnerin Lindy Aves Oberschenkel sind bei Japanern verpönt.

Sehr viele Olympioniken tragen derart große Tätowierungen, dass es die Japaner schockiert.

Fernsehzuschauern in aller Welt wird es nicht entgangen sagen: Der Körper so manches Olympia- und Paralympics-Teilnehmers ist mit irgendeinem Tattoo verziert. Besonders Schwimmer und Basketballspieler zeigten bei den Spielen von Tokio sehr prägnante, bunte und oft großflächige Darstellungen.

In Japan ist das verpönt. Hier kann es passieren, dass der Nachbar in der Metro wegen einer Tätowierung angewidert aufsteht oder ein Restaurantleiter deutlich sagt, dass solche Gäste nicht gelitten sind. Schon kleinste, sichtbare Körperbemalungen reichen aus, um dem Träger den Zutritt in ein öffentliches Bad oder in ein Fitnesscenter zu verwehren.

Die japanischen Sportstars treten dementsprechend ganz ohne solchen Körperschmuck auf. Während Athleten aus Europa und den USA solche Symbole als Zeichen von Individualität, Selbstoptimierung, Gruppenzugehörigkeit, als Erinnerung an wichtige Lebensereignisse oder einfach als modisches Statement tragen, müssen sich Nippons Töchter und Söhne zurückhalten.

Wie ein Mafiosi

In Japan gilt noch immer: Wer ein Tattoo trägt, versteckt es lieber. Im fernöstlichen Kaiserreich ist der im Westen anhaltende Tattoo-Boom eben ein sehr kontroverses Thema, auch im Sport. Erst Anfang des Jahres gab es einen Skandal um den Boxer Kazuto Ioka, der wie andere Kollegen heimlich eine kleine Körperbemalung trägt, diese im Ring jedoch sorgsam mit spezieller Schminke übertüncht. Da diese in der Hitze des Kampfes verlief, sahen auch die TV-Zuschauer das Tattoo deutlich. Für den Verband war das ein „Stil, bei dem sich das Publikum unwohl fühlt“. Der Superfliegengewichtler wurde bestraft.

Es ist weniger eine Geschmacksfrage, die zu dieser Haltung geführt hat. In Japan sind es vor allem die Yakuza, die Mitglieder der einheimischen Mafia, die mit Tattoos Eintritt in ihre zweifelhafte Gesellschaft erlangen und mit speziellen Symbolen ihre Zugehörigkeit zu den entsprechenden Banden demonstrieren. Meist tragen sie Tätowierungen auf dem ganzen Körper, die sie bei Gang-Treffen auch gern zur Schau stellen. Lange waren solche Körpergestaltungen deshalb offiziell gänzlich verboten – ohne dass sich die Mafia allerdings darum scherte.

Das extrem schlechte Image von Tattoos hält sich bis heute. Dennoch möchten auch immer mehr junge Japaner gerade dieses „Besondere“, weil vor allem Schauspieler, Popstars oder Sportler es so vorleben.

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