Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Militarisierung des Weltraums: Für uns steht viel auf dem Spiel

Auf der Airbase in Ramstein baut die Nato ein Weltraumzentrum auf.
Auf der Airbase in Ramstein baut die Nato ein Weltraumzentrum auf.

Die Militarisierung des Weltalls schreitet voran. Das bedroht die Art, wie wir leben, auf mehrfache Weise. In vielen Hauptstädten scheint das aber niemanden zu interessieren.

„In 100 Metern rechts abbiegen.“ Dass die „Dame“ im Navigationssystem uns den richtigen Weg weisen kann, liegt an den Informationen, die sie über Satellit bezieht. Mehr als 2000 Satelliten umkreisen mittlerweile die Erde, sie haben die unterschiedlichsten Funktionen, auch militärische.

Überhaupt interessiert sich das Militär für den Weltraum, seit er für menschliche Technik erreichbar ist. Vergangene Woche hat die Nato beschlossen, in Ramstein in der Westpfalz ein Weltraumzentrum aufzubauen, das zunächst einmal nur als Koordinierungsstelle für Weltraumüberwachung dienen und Bedrohungen für Satelliten erfassen soll. Es könnte aber auch zu einem Kommandozentrum für Abwehrmaßnahmen ausgebaut werden. Die Nato erklärte vergangenes Jahr den Weltraum zum neuen Einsatzbereich. Die Allianz reagiert damit auf eine besorgniserregende Entwicklung, die sie gleichwohl mit befördert: die Militarisierung des Weltalls, die in den vergangenen Jahren an Tempo gewonnen hat.

Satelliten sind die Achillesferse des Militärs

2019 meldete Indien den Abschuss eines Satelliten von der Erde aus. Diese Fähigkeit haben bereits die USA, China und Russland. Und sie bereitet vielen Streitkräften Sorgen. Denn moderne Waffensysteme kommunizieren über Satelliten, die auch weitere zahlreiche wichtige Daten für die Armeen liefern. Das betrifft insbesondere westliche Streitkräfte, die sehr viele dieser künstlichen Himmelskörper nutzen. Deshalb bauen die USA eine „Space Force“ auf, auch Frankreich will das zum Schutz der Satelliten tun.

Doch der Erfolg wird begrenzt sein, Vorstellungen von sich selbst verteidigenden Satelliten muten eher skurril an. Diese Flugkörper bleiben schwer zu schützen, sie sind die Achillesferse des Militärs. Und unserer modernen Lebensweise. Schließlich werden Satelliten nicht nur für private Navigationsgeräte genutzt, sie sind unter anderem entscheidend für den Güterverkehr, den Luftverkehr, für Internet, Telefonie und Fernsehen.

Das All soll friedlich genutzt werden

Dies alles wäre gefährdet bei einem Konflikt, der im All ausgetragen wird (mal abgesehen davon, dass ein Krieg an sich schon verheerende Folgen hat). Dabei müssten die zivilen Satelliten nicht einmal direkt angegriffen werden. 2007 hat China einen hochfliegenden Satelliten zu Testzwecken abgeschossen. Die Trümmerteile gehören heute noch zu dem gefährlichsten Schrott, der im Orbit unterwegs ist. Die Zerstörung weiterer Satelliten würde alle anderen in starkem Maße gefährden.

Deshalb wäre es jetzt an der Zeit, den Weltraumvertrag von 1967 zu renovieren, der die friedliche Nutzung des Alls zum Ziel hat. Unter anderem müssten Anti-Satelliten-Waffen verboten werden.

Eigentlich gelten die Chancen für Rüstungskontrollverträge dann als groß, wenn alle Seiten davon profitieren. Das wäre so ein klassischer Fall. Wenn statt Satelliten nur noch Trümmer um den Erdball kreisen, dann war’s das mit unserer modernen Zivilisation – überall auf unserem Planeten. Doch die USA, China und Russland, die die wesentlichen Entwickler auf diesem Gebiet sind, machen keine Anstalten, die Initiative zu ergreifen. Rüstungskontrolle scheint für die Führer dieser Staaten eine Episode aus dem Geschichtsunterricht zu sein. Es ist schon zum Verrücktwerden.

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