Russland RHEINPFALZ Plus Artikel Militärparade in Moskau: Roggengrütze für den Ehrengast

Hatten was zu besprechen: Putin und Xi.
Hatten was zu besprechen: Putin und Xi.

Die Parade zum 80. Jahrestag des Sieges über Hitler-Deutschland in Moskau hat einen besonderen Gast. Der chinesische Staatschef Xi Jiping ist nicht nur zum Feiern gekommen.

Nach der Schweigeminute „für unsere Kampfgenossen, die den Heldentod für Russlands gerechten Kampf starben“, erwähnte Wladimir Putin doch noch, dass im Zweiten Weltkrieg auch andere Länder gegen Deutschland und Japan Front gemacht hatten. „Wir achten den Beitrag der Soldaten der verbündeten Armeen am gemeinsamen Ringen hoch, der Widerstandskämpfer, des tapferen Volkes Chinas.“ Weitere Nationen nannte Putin am Freitag in seiner Rede vor der Siegesparade auf dem Roten Platz nicht. Scheinbar ist China für ihn inzwischen auch der wichtigste Alliierte Russlands im „Großen Vaterländischen Krieg“ geworden.

Putin zog Parallelen zwischen der Verteidigung der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg gegen Nazi-Deutschland und sein Vorgehen gegen die Ukraine. Wahrheit und Gerechtigkeit seien auf der Seite Russlands, sagte der Kremlchef und fügte hinzu, ganz Russland unterstütze die Kämpfer der „militärischen Spezialoperation“ – so die offizielle Bezeichnung des Kreml.

Der chinesische Staatschef Xi Jinping, der an Putins rechter Seite saß, machte dem tönenden Hausherrn bei dessen Ansprache schweigend Konkurrenz. Immer wieder hörte man zwischen Putins Worten chinesische Silben, die der überlaute Übersetzer dem gleichmütigen Xi ins Ohr rief.

Tête-à-tête beim Tee

Der Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas war Ehrengast des Jubiläumsrituals, das Putin auch als Parade der Präsidenten nutzte. Vor einem Jahr hatten sich auf der Tribüne vor dem Lenin-Mausoleum gerade neun Staats- und Regierungschefs versammelt, diesmal waren es 27. Darunter die Führer der georgischen Rebellenrepubliken Abchasien und Südossetien, aber auch die Präsidenten Brasiliens, Serbiens und Ägyptens, ebenso der Premierminister des EU-Mitglieds Slowakei. „29 Freunde des Sieges“, jubelte der „Moskowskij Komsomoljez“ vorab etwas zu überschwänglich. Moskaus Medien feierten mal wieder das Ende der außenpolitischen Isolation.

Aber Paradepublikum aus Äquatorialguinea, Guinea Bissau oder Burkina Faso dürfte Russland machtpolitisch wenig weiterhelfen. Im Gegensatz zu China und seiner Industrie. Schon am Donnerstag empfing Putin den erklärten Freund Xi im Kreml mit ganz großem Zeremoniell. Die Veranstaltung mit Tête-à-tête beim Tee, gegenseitigen Lobeshymnen vor der Presse und einem feierlichen Bankett zog sich über sieben Stunden hin.

Zählbare Ergebnisse: China erklärte sich bereit, künftig aus Russland Getreidegrieß und Roggengrütze zu importieren. Aber Putin muss weiter darauf warten, dass sein Lieblingskonzern Gasprom die katastrophalen Verluste in Europa durch neue Exportverträge mit China kompensieren kann. Auch nach jahrelangen Verhandlungen zum Bau der Gaspipeline Power of Sibiria 2 nach China ist eine Einigung über die Kosten und vor allem über den Endpreis des Gases nicht in Sicht. Allerdings versicherte Vizepremier Alexander Nowak hinterher, es bewege sich etwas.

Putin flirtet seit Monaten mit Trump

Etwas Bewegung gab es auch politisch. Putin und Xi unterschrieben eine gemeinsame Erklärung, in der es zur Ukraine hieß, für eine dauerhafte Regelung der Krise müsse man ihre „Urgründe“ beseitigen. Die „Urgründe“ sind eine Lieblingsformulierung der Russen für ihre Forderungen, die Ukraine müsse auf außenpolitische Souveränität verzichten und die Nato müsse aus Osteuropa abziehen. Dass Xi diese Umschreibung unterzeichnet hat, kann Putin durchaus als Ermutigung zum Weitermachen interpretieren. Und als Indiz für weitere chinesische Zugeständnisse.

Die Chinesen sind wirtschaftlich unter Druck, sie schlagen sich mit Donald Trumps enormen Zöllen herum, verhandeln deshalb emsig mit Washington. Putin aber flirtet seit Monaten mit Trump, ein „großer Deal“ des Russen mit dem US-Amerikaner dürfte Xi kaum gefallen. „Es gibt gegenseitiges Misstrauen“, sagt der China-Experte Alexej Tschigadajew. „Und deshalb viel Gesprächsbedarf.“

In den vergangenen Wochen wurde in Moskau spekuliert, Trump könne Außenminister Marco Rubio zur Parade schicken. Aber dann erschien nicht einmal Botschafterin Lynne Tracy auf dem Roten Platz. Dafür machte dort eine Hundertschaft baumlanger chinesischer Elitesoldaten mit. Xi stand auf, als sie vorbeimarschierten, Putin blieb lächelnd sitzen.

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