Politik RHEINPFALZ Plus Artikel Mehr Sicherheit im Nordatlantik

Verteidigungsminister Boris Pistorius (Mitte) hat in Ottawa seine Amtskollegen aus Norwegen Tore Sandvik (rechts) und aus Kanada
Verteidigungsminister Boris Pistorius (Mitte) hat in Ottawa seine Amtskollegen aus Norwegen Tore Sandvik (rechts) und aus Kanada Davic McGuinty getroffen.

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bemüht sich, Kanada für die Teilnahme am deutsch-norwegischen Projekt bei Thyssenkrupp Marine Systems zu gewinnen.

Kanada und Deutschland wollen ihre Zusammenarbeit in der Rüstungspolitik sowie in der Sicherheit im Nordatlantik und in den arktischen Gewässern stärken. Der Besuch von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius in der kanadischen Hauptstadt unterstreicht das enge Verhältnis zwischen beiden Ländern. Ein wichtiges Thema wird eine auf kanadischer Seite anstehende Entscheidung sein: der mögliche Kauf von acht bis zwölf nicht-nuklearen U-Booten, die von Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) gebaut werden.

Kanada würde sich damit einem Beschaffungsprojekt von Deutschland und Norwegen anschließen. Diese haben bereits zehn U-Boote der neuen Klasse 212CD bei TKMS in Auftrag gegeben. Es sei „kein Geheimnis, dass wir gerne ein weiteres Kapitel in unserer Partnerschaft öffnen würden“, sagte Pistorius am Montagabend (Ortszeit) bei einem Empfang in der Residenz des deutschen Botschafters an die Adresse Kanadas. Wenn sich Kanada der deutsch-norwegischen U-Boot-Kooperation anschließen würde, wäre dies „ein Ausdruck der sich weiterentwickelnden Partnerschaft, die auf tiefem Vertrauen basiert und für Verlässlichkeit und Zusammenarbeit in der Sicherheitspolitik steht“.

Norwegen mit an Bord

Dass neben Pistorius auch der norwegische Verteidigungsminister Tore Sandvik zu den Gesprächen mit dem kanadischen Kollegen David McGuinty anreiste, ist ein deutlicher Hinweis, dass beide Länder versuchen, die Kanadier für diese Investition bei TKMS zu gewinnen. McGuinty unterstrich dabei die Notwendigkeit, die transatlantische Sicherheit zu stärken.

Kanadas Premierminister Mark Carney hatte Ende August bei seinem Deutschlandbesuch zusammen mit McGuinty die Werft von TKMS an der Kieler Förde besucht. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erklärte damals in einer Pressekonferenz mit Carney, eine Vereinheitlichung der U-Boot-Systeme – alle Boote sollen baugleich und kompatibel sein – wäre „ein starkes Signal für die gemeinsame Sicherung des Nordatlantiks“.

Russland wird wieder als Bedrohung gesehen

Für Carney geht es bei dieser rüstungspolitischen Entscheidung auch um den wirtschaftlichen Nutzen für Kanada. „Im Fokus steht dabei auch eine mögliche Produktion vor Ort sowie die Interoperabilität mit den Nato-Partnern“, sagte er. Um den kanadischen Auftrag bewirbt sich auch der südkoreanische Anbieter Hanwha. Carney will Ende dieses Monats noch nach Südkorea reisen.

Nach dem Ende des Kalten Kriegs wurde die U-Boot-Flotte im Atlantik reduziert. Jetzt wird Russland als Bedrohung im Nordatlantik gesehen und wieder stärker in U-Boote investiert. Nach deutschen Medienberichten würde sich ein kanadischer Auftrag mit Wartung, Bewaffnung und Schulung des Personals auf bis zu 16 Milliarden Euro belaufen.

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