Politik RHEINPFALZ Plus Artikel Mehr Daten = höherer Stromverbrauch

Schöne bunte digitale Welt – mit großen Auswirkungen auf die Umwelt.
Schöne bunte digitale Welt – mit großen Auswirkungen auf die Umwelt.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze will eine klimafreundliche Digitalisierung erreichen.

Wer über sein Smartphone wischt oder am Computer eine Suchanfrage startet, interessiert sich kaum für das, was er damit im Hintergrund alles in Gang setzt. Dass da komplizierte Prozesse ablaufen, wird erst deutlich, wenn es länger als gewohnt dauert. Diese Prozesse verschlingen auch jede Menge Energie: Mit der Strommenge von 200 Google-Suchen ließe sich rechnerisch ein Hemd bügeln.

Doch der Stromverbrauch von Suchanfragen, die ja jeden Tag milliardenfach ablaufen, nimmt sich harmlos aus gegenüber der Energiemenge, die Streamingdienste benötigen. Dazu zählen Videoportale wie Youtube oder Film- und Serienabspielstationen wie Netflix – sowie, was gerne unerwähnt bleibt, die vielen Pornoseiten. All diese Film-Abrufdienste stehen für mehr als zwei Drittel des Datenverkehrs im Internet. Laut EU-Kommission verbrauchten sie 2018 so viel Strom wie alle Privathaushalte in Deutschland, Polen und Italien zusammen.

Ökologischer Alptraum?

Kurz und gut: Die Digitalisierung, die vielen ohne Bezug zur realen Welt mit all ihrem Müll und anderen unschönen Seiten erscheint, könnte sich zum ökologischen Alptraum entwickeln. Damit das nicht so kommt und die fortschreitende Digitalisierung nicht zum „Brandbeschleuniger“ des Klimawandels wird, will Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) nun eingreifen. In Deutschland, aber auch auf europäischer Ebene. Im zweiten Halbjahr hat Deutschland ja den Vorsitz der EU-Präsidentschaft inne. Schulze schwebt beispielsweise vor, dass Streaming-Anbieter nicht von vorneherein die höchste (und damit energieintensivste) Videoauflösung anbieten. Suchportale sollen Umweltaspekte beim Online-Shoppen mitberücksichtigen; Rechenzentren sollen erneuerbare Energie einsetzen. Ihre Abwärme sollen sie (irgendwann verpflichtend) zum Heizen verwenden.

Ein solcher Blick auf die Auswirkungen der Digitalisierung ist ziemlich ungewohnt – zumal solche Firmen ihre Dienste gerne als Rettung für die Umwelt und das Klima anpreisen: Mit Hilfe von Apps lasse sich Mobilität neu erfinden. Die Videokonferenz könne die Dienstreise ersetzen. Doch einiges, was in der analogen Welt gilt, trifft eben auch auf die neue digitale zu. So wirbt die Bauwirtschaft gerne mit dem Slogan „Beton – es kommt darauf an, was man daraus macht“. Das lässt sich genauso für das Reich der Bits und Bytes feststellen.

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